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Erlebnisse im Wildpark Poing – oder warum Frieren manchmal besser ist

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Was macht ein Wildlifefotograf wenn das Wildlife nicht so will oder er die Schnauze voll hat vom ständigen Frieren der Ansitzfotografie? Genau er geht in den nächsten Zoo oder Wildpark!
Der Wildpark Poing war für mich da ich schon einmal in München war, leicht zu erreichen und eine gern genommene Möglichkeit selbst nach ausgiebigem Ausschlafen und ordentlichem Frühstück einen halben Tag lang heimische Wildtiere abzulichten.
Wobei heimisch … wurde nicht vor kurzem Bruno dem Bären in Bayern die Staatsbürgerschaft entzogen und ihm als amtliche Beglaubigung noch eine Ladung Schrot auf den Pelz gebrannt, so dass der heimische Bestand wieder auf NULL schrumpfte? Bären und Wölfe wären bei uns in Bayern, Tirol, Schweiz und Südtirol heimisch, heimisch sein dürfen sie dort jedoch scheinbar aber nur in ausgestopfter Form über dem Kaminsims eines Jägers an der Wand oder eben im Museum für Mensch und Natur in München Nymphenburg. Mensch und Natur … das sind oftmals zwei Dinge die sich zu widersprechen scheinen. Dies wurde mir im Wildpark Poing wieder einmal (Wild)-LIVE vor Augen geführt.
“Kuck mal, ein Rehhhhhhhhh ….” vor Entzückung quietschend sprang die Mitfünfzigerin auf das verschreckte Tier zu und wedelte wild fuchtelnd mit der am Eingang erworbenen Futtertüte. Vorsichtig schaute ich mich nach rechts und dann nach links um, um zu erörtern ob die Dame wirklich dieses Tier meinte, dem sie gerade eine Hand voll der Körner aus der prallen Futtertüte ins Maul zu stopfen versuchte. Das arme Tier vollgefressen durch die Mastattacken aller zuvor vorbei gekommenen Besucher, die es fälschlicher Weise ebenfalls für ein Reh gehalten hatten, versuchte sich der Mast zu erwehren. Doch die Flucht war keine Option, denn schon standen die beiden dicken Enkel der Dame parat, die das “Reh”, einer links, der andere rechts, fachmännisch wie einen auf der Auer Dult geschossenen Teddy zu herzen versuchten. “Arme Kinder” dachte ich als mir klar wurde, dass die Dame keineswegs versucht hatte Ihre beiden Enkelkinder hoch zu nehmen. Sie würden jetzt den Rest Ihres Lebens ein Muffelschaf für ein Reh halten.
Ganze 200 Meter weiter bot sich ein ähnliches Szenario “Uiiiiiiiiii tollllll, schau Mal Melanie ein Steinbock und was für tolle Hörner der hat…”. Schlagartig wurde mir bewusst, dass die ebenfalls erwachsene Frau, die ein kleines blondes Mädchen mit großen blauen Kulleraugen und winzig kleinen Zöpfen an der Hand führte, von Sternzeichen weder Steinbock noch Widder hatte sein können, denn sie hätte sich doch wohl wenigstens das Konterfei Ihres eigenen Sternzeichens, bekannt aus unzähligen Horoskopen der Boulevardmagazine, eingeprägt. Ich wurde zum ersten Mal an diesem Tag ein wenig traurig, und fühlte Mitleid für die Menschen die scheinbar noch nie in Ihrem Leben einen lebenden Steinbock gesehen hatten und diesen nicht von einem Widder mit seinen charakteristisch geschwungenen Hörnern unterscheiden konnten.
Darüber nachdenkend wo genau die Menschheit die Natur verloren hatte, von der sich mancher so entfremdet schien, stolperte ich mit meinem Teleobjektiv Richtung Wolfsgehege durch die Massen die Sonntags den Park zu fluten scheinen.
Dort angekommen packte ich das 500mm Objektiv auf mein Stativ, ein wenig abseits der wild knipsenden Meute, die um den besten Platz zu kämpfen schienen, das Hinterteil eines einzelnen in der Sonne schlafenden Wolfes aus ca. 30 Meter Entfernung abzulichten. Direkt vor mir, also keine 15 Meter neben der knipsenden und johlenden Meute, von denen einige sich als jämmerliche “Wolfsgeheul-Imitatoren” versuchten um den einzelnen Wolf dazu zu bewegen einmal hoch zu schauen, für ein richtig schauderhaftes Raubtierfoto, mit dem sie später zu Hause wohl Ihre Großmutter erschrecken wollten, lag das ganze restliche Rudel gut getarnt für die knipsende Meute in nicht einmal 10 Meter Entfernung vom Zaun. Man hätte allerdings 2 Regenpfützen und ein kleines Schlammloch überqueren müssen um zwischen Zaun und ein paar Bäumen zu meiner Position zu gelangen. Fast hätte man glauben können, das Rudel hatte einen “schwarzen Peter” aus seiner Mitte dazu erkoren den Lockvogel für die Meute zu mimen um selbst in Ruhe friedlich dort liegen zu können.
Plötzlich erhob sich das Alpha Paar, bestehend aus einem vernarbten und von zahlreichen Kämpfen gezeichneten mächtigen Leitwolf und einer wunderschönen Alphawölfin, und kurze Zeit später wurde das restliche Rudel aktiv. Sie balgten, tobten, sprangen umher, markierten, zeigten Dominanz und Unterwürfigkeit. Besonders das Omega Tier signalisierte fast dauerhaft, mit weit eingeklemmter Rute, nach hinten angelegten Ohren, Schnauze schleckend, geduckter Körperhaltung und Bauch zeigend, Unterwürfigkeit.
So schnell wie die Bewegung in das Rudel kam, so schnell war auch alles wieder vorbei und das Rudel hatte sich wieder das Sonnenplätzchen direkt vor mir ausgesucht.
Nach kurzer Rast schienen 2 Wölfe etwas zu wittern, als sie ihre Schnauzen Sekunden lang senkrecht in die Luft hielten, um den zu ihnen gelangenden Duft besser wahrnehmen zu können.
Spontan dachte ich an meine Wurstsemmel, die zwar bestens verpackt im Rucksack verstaut war, aber für eine solch feine Nase aus dieser Entfernung wohl kein Problem darstellte.
Die beiden Wölfe erhoben sich und kamen langsamen Schrittes vorsichtig auf mich zu. Ich ließ von meiner Kamera ab und erwartete gespannt, was weiter geschehen würde.
Vorsichtig, Pfote für Pfote kamen die beiden lautlos bis auf einen Meter, fast in Reichweite meines Armes, heran (wenn uns nicht ein Zaun getrennt hätte). Skeptisch beäugten sie die Kamera um zu entscheiden, ob von Ihr Gefahr aus ging. Ich wagte es nicht mich zu bewegen um sie nicht zu verscheuchen. Kurze Zeit später schienen sie entschieden zu haben, dass meine Kamera ungefährlich sei und sie setzten sich direkt vor mich und schauten mich erwartungsvoll an. Wurden diese Wölfe vielleicht von Menschen mit der Hand aufgezogen, fragte ich mich. So saßen wir dann ein paar Minuten ganz nahe zusammen. Ich kniend hinter meinem Teleobjektiv und die beiden Wölfe hinter ihrem Zaun. Für einen Augenblick wusste man nicht wer jetzt eigentlich im Park der Besucher und wer der Staunende war. Ein tolles Erlebnis das mich mit glasigen Augen dort im Dreck Knien ließ. Dieser intime Augenblick wurde jäh durch ein ganz in pink gekleidetes dickes Kind unterbrochen, das kaum von ihrem Smartphone aufschauend am Hemdsärmel ihres Vaters zupfend ätzte: “können wir jetzt weitergehen . . . ist voll langweilig hier!” Vielversprechend die nächste Generation! Immerhin hatten die Eltern das Kind bewegen können zwei Pfützen und ein Schlammloch zu überqueren um zu meiner Position zu gelangen, wo die beiden Wölfe ganz nah am Zaun saßen, versuchte ich mich zu trösten. Doch das war nur ein schwacher Trost. Den beiden Wölfen schien es nun auch zu viel zu werden und sie trollten sich zu dem Rest ihres Rudels.
Der Dialog zwischen einem kleinen Mädchen und ihrem Vater, das sehnsuchtsvoll in das Wolfsgehege blickte, während es seinen Plüschhund eng umschlungen hielt:”Warum darf ich den Wolf nicht streicheln?”… “Weil er dir dann die Hand abbeißt”, konnte mich nicht wirklich trösten. Das Mädchen blickte verängstigt Richtung der selig in der Sonne liegenden Wölfe und drückte ihren Plüschhund nun noch fester an sich.
“Ahhh … so entstehen also Vorurteile“, kam es mir in den Sinn. Ich hatte genug gehört und gesehen für diesen Tag, packte meine sieben Sachen zusammen und biss missmutig in meine Wurstsemmel. Die Wölfe bewegten sich nicht einen Zentimeter. Wieso musste ich gerade jetzt an Rotkäppchen und der böse Wolf denken?
Auf meinem Weg Richtung Ausgang bemerkte ich noch die verwaisten Infotafeln, die wie einsame Inseln aus dem Meer der Menschenmasse herausragten. Auf diesen Tafeln wurde die heimische Fauna und Flora genauestens beschrieben und erklärt. Nur schien sich niemand dafür zu interessieren, denn alle wussten ja bereits wie ein Reh oder Steinbock aussieht!
Kein Wunder, dass jeden Tag zwischen 3 und 130 Tier- und Pflanzenarten aussterben (Wikipedia) und kein Mensch davon Notiz nimmt, wenn die Leute von diesen vorher weder je gehört, noch selbst gesehen haben.
Ich hatte ein tolles Erlebnis an diesem Tag am Wolfsgehege, nur kam ich zu dem Schluss, dass das Frieren im Tarnzelt in freier Wildbahn beim Warten auf das begehrte Fotomotiv, oftmals mit keinem oder geringem Erfolg, für einen Wildlifefotografen die bessere und einzig richtige Option ist! Man kann im Wildpark gut seine fotografischen Fertigkeiten trainieren, aber nur wenn man zu mindestens am Wochenende bei schönem Wetter, manchmal beide Ohren und Augen fest verschlossen hält.

Im Dunkeln ist gut munkeln

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Wenn die meisten Fotografen bereits Ihre Fotoapparate eingepackt haben und längst zu Hause im Warmen vor dem Fernseher sitzen, dann beginnt meine Zeit. Nie sonst wird es einem “Restlichtfotografen” so leicht gemacht wie in der dunklen Jahreszeit. Sonnenuntergang bereits um 5 Uhr herum, mit kurzer Dämmerungsphase, führt in der Winterzeit in der Regel dazu , daß der Passion bequem bereits nach der Abendessen gefrönt werden kann (klare Nächte vorausgesetzt).
So geschehen auf einer Fahrt von meinem Wohnort in Tirol nach München. Zugegebener Maßen mit einer recht unorthodoxen Streckenführung, aber hey … who the fu.. needs a Navi? So kann man Mutterseelen alleine Orte besuchen, die tagsüber nur so von Menschen und Fotografen wimmeln (obwohl Fotografen meist auch nur Menschen sind :-)). So bekommen selbst Motive an denen man sich mehr als satt gesehen hat einen ganz neuen Anstrich. Der Mond übernimmt die Beleuchtung und auch wenn das Auge eine Mondnacht immer noch als dunkel empfindet, so “sieht” die Kamera das ganz anders. Die Empfindlichkeit der heutigen Sensorengeneration lässt, je nach Belichtungszeit, bereits ab Iso 400 ein ausschließlich durch den Mond beleuchtetes Szenario taghell erstrahlen. Auf den ersten Blick sieht man dem Foto gar nicht an, daß es in der Nacht aufgenommen wurde. Nur nach längerer Betrachtung eröffnet sich der ganz besondere Touch der Nachtfotografie. Eine für das Auge seltsam anmutende Lichtstimmung gibt dem Bild einen mystischen Note und im Hintergrund werden fast unwirklich anmutend, Sterne oder der Mond erkennbar. Auch wird meist am Horizont oder in den Wolken die Lichtverschmutzung unserer Zivilisation offenkundig, der man zumindest im Mitteleuropäischen Raum leider kaum zu entfliehen vermag (ausgenommen einige einsame Alpenregionen). Das Kunstlicht einer großen Stadt wie München ist weit über 100 km selbst im Alpenraum für die Kamera bei Neumond noch sichtbar und findet sich als heller Schein über dem Horizont. Kunstlicht kann jedoch auch als stilistisches Mittel in die Komposition mit einfließen und so den surreale Note noch betonen.
Landschaft in der Nacht kann aber auch komplett ohne Mond (Neumond oder wenn der Mond noch nicht aufgegangen ist oder schon wieder untergegangen ist), auf den Chip gebannt werden.
Hierbei rückt die Landschaft selbst in den Hintergrund, die ohne künstliche Lichtquellen als Silhouette erscheint, gegen den Sternenhimmel der hierdurch zum Hauptdarsteller wird. Die Technik wird hier an Ihre Grenzen gebracht. Vollformatsensoren, lichtstarkes Objektive mit weit offener Blende und Iso Werte ab 1600 sind hier obligat um das letzte Bisschen Licht mit möglichst geringem Rauschen auf den Sensor zu bannen. Hier kann sich der Fotograf oder Astronom mit Sternenstrichspuren über dem Szenario, mit der Darstellung der Milchstraße oder weit entfernter Galaxien austoben. In jedem Falle rate ich jedem, der sich einmal als Restlichtfotograf versuchen möchte, zur Anschaffung einiger nützlicher Apps fürs Smartphone, die das nächtliche Fotoshooting deutlich erleichtern (z.B. “Starwalk” , “The Photographers Ephemeris”). Für ein paar Euro lässt sich bequem Sonnenauf- und Untergang, Mondauf- und Untergang, die Position der Milchstraße, Galaxien, Sterne, sowie die genaue Position von Sonne oder Mond an einer gewünschten Fotolocation ermitteln
Bei meiner Fahrt nach München begleitete mich ein abnehmender Mond, der für die Beleuchtung sorgte. Ok ertappt, das erste Bild ist noch mit reichlich Licht während des Sonnenuntergangs am Bannsee, unweit des Forgensees entstanden (ich konnte nicht widerstehen), der Rest ist jedoch im Dunklen am Forgensee, bei Neuschwanstein und bei der Erdfunkstelle in Raisting (Danke Michael für die Inspiration) entstanden.

Fotoworkshop Bayerischer Wald

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Am 18. Oktober war es endlich soweit: Das Auto wurde voll gepackt mit Foto Utensilien bis unters Dach und ab ging es Richtung Bayerischer Wald.
Die Vielfalt der Motive im Wildtiergehege im herbstlichen Bayerischen Wald bei schönstem Wetter kann manchmal zu einem Krampf im “Auslöser-Zeigefinger” des Fotografen führen bis die Kamera raucht, die Speicherkarte voll ist oder der in der Serienfunktion glühend heiss gelaufene Verschluss einem um die Ohren fliegt. So beinahe geschehen im Wildlife Fotokurs mit Christian Röschert. Eine kleine Auswahl meiner “Best of Bayerischer Wald” findet Ihr unten.