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Schönste Rodelbahn Tirols

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Heute möchte ich Euch eine der schönsten Rodelbahnen Tirols, wenn nicht die schönste, vorstellen. Mit dem Auto fährt man bis nach Grieß im Ötztal (in Längenfeld am Kreisverkehr links abbiegen), und parkt das Auto nach dem Ortsende am großen Parkplatz.

Die Rodelbahn ist nichts für Gehfaule, Fußkranke oder notorische Gondelfahrer. Belohnt wird man aber mit einem unvergleichlichen, nahezu hochalpinen Erlebnis, einer urigen und super freundlichen DAV Hütte (Amberger Hütte 2135m) mit wahnsinnig leckerer Verpflegung und einer 6 km langen, bestens präparierten Abfahrt, die nie zu enden scheint.

Die harten Fakten:  6 km Fußmarsch, ca. 550 hm in ca. 1,5 – 2 Stunden von Grieß bis zur Amberger Hütte. Nach 2/3 der Wegstrecke trifft man auf die Sulztalalm und alle die, die Nase jetzt schon voll haben können hier ihre Tour beenden, sich in der Alm verwöhnen lassen,  eine Rodel ausleihen (oder mit der eigenen Rodel) und wieder abfahren. Allen anderen sei gesagt, daß der schönste Teil der Tour noch bevorsteht.

Direkt hinter der Hütte findet man seit diesem Jahr neu aufgestellte Warnschilder, die den Rodler darüber informieren, daß man den gesicherten Raum verlässt und sich in alpines Gebiet begibt, mit all seinen Gefahren. Diese Maßnahme wurde nötig, da letztes Jahr im Januar, zum ersten Mal seit Bestehen der Hütte, eine gigantische Schneebrettlawine oberhalb des Aufstiegsweges spontan abgegangen war, und den Weg und leider einige Touristen unter sich begraben hatte mit einem Toten als Folge.

Das hört sich jetzt an als ob der Weg extrem gefährlich wäre, das ist aber definitiv nicht der Fall. Wir sind letztes Jahr ziemlich genau eine Woche vor, und zahlreiche Male nach dem Unglück dort bei geringer Lawinengefahr vorbeigegangen. Am Unglückstag selbst herrschte laut Lawinenwarndienst Tirol die Warnstufe 3-4 der 5 teiligen Skala, also erhebliche – sehr große Lawinengefahr, mit einer gigantischen Neuschneemenge, die innerhalb 24 Stunden gefallen war, während starker Winde, also mit extrem viel Triebschnee.

Bei diesen Verhältnissen sollte man sich sehr gut auskennen um im Gelände sicher Unterwegs zu sein. Der bestens mit einer Pistenraupe präparierte Weg täuscht leider dem Unkundigen eine scheinbare Sicherheit vor, die es in den Bergen nicht gibt. Zwar ist es  unmöglich auf einem derartigen präparierten Weg selbst eine Lawine auszulösen, aber bei Lawinenwarnstufe 3-4 kann sich eben eine spontane Lawine als Schneebrett oberhalb des Weges lösen.

Mit den Warnschildern wird der Winterwanderer nur darauf hingewiesen, daß er sich in den Bergen befindet und nicht im Fitnesscenter. Jeder der in die Berge geht oder auch nur alpin Skifahren geht, sollte sich bewusst sein, daß es dort Gefahren gibt, die auch kein gesicherter Skiraum oder ein Skilift, Pistenraupe oder zünftige Hütte verhindern kann. Jeder der in die Berge geht, sollte lernen eigenverantwortlich und seinen Möglichkeiten angepasst im alpinen Raum unterwegs zu sein. Leider muß man den Durchschnittstouristen immer wieder auf diesen Umstand hinweisen, und viele überschätzen sich leider, was immer wieder zu schlimmen Unfällen führt!

Wer also den Lawinenlagebericht gecheckt hat und die Warnstufe 1 oder 2 angesagt ist, kann dort (relativ) sicher unterwegs sein. Jeder der z.B. regelmäßig mit Schneeschuhen unterwegs ist, wird diesen ohnehin auch regelmäßig einholen. Einen Lawinenpiepser etc. ist meines Erachtens bei Warnstufe 1 oder 2 nicht nötig, da spontane Schneebretter bei dieser Warnstufe extrem selten sind und nur 3-4 Stellen auf dem restlichen Weg existieren die bei einem Schneebrett gefährlich wären und man solange man auf dem präparierten Weg unterwegs ist, ja selbst auch keine Lawine auslösen kann. Bei Warnstufe 3 würde ich nur einem sehr erfahrenen Schneeschuhgeher oder Skitourengeher mit kompletter Lawinennotfallausrüstung (Piepser, Sonde, Schaufel, Airbag …) den Weiterweg empfehlen.

Alle anderen, die möglichst nur das geringste Risiko eingehen möchten, oder nicht mehr weiter können oder wollen,  bleiben eben bei der Sulztalalm und fahren von dort wieder ab. Nochmals, ein Nullrisiko gibt es in den Bergen NICHT. Es sind auch schon Skitouristen mitten auf der Piste im gesicherten Skiraum verschüttet worden!!!

Weiter geht es jetzt die letzten ca. hundert Höhenmeter und einen Kilometer Richtung Amberger Hütte. Vor sich hat man stets die beeindruckende und mächtige NW Flanke des 3500m hohen Schrankkogels, der im Winter gewisse Ähnlichkeiten mit dem K2 zu bieten hat. Im Sommer ist dieser Riese eisfrei und ohne Gletscherberührung für den fitten und erfahrenen Wanderer von der Amberger Hütte aus in 3-5 Stunden zu besteigen. Größer Schwierigkeiten bietet dieser Anstieg im Sommer über den Normalweg nicht, außer den normalen alpinen Gefahren, der großen Höhe und einem recht ausgesetztem letzten Gratstück (wirklich nur die letzten Höhnmeter). Dies ist aber für den trittsicheren und schwindelfreien Wanderer kein Problem. Belohnt wird man aber am Gipfel mit einer Aussicht, die Seinesgleichen suchen muß!

Nach dem ersten Aufschwung erreicht man ein Plateau und nach einem  weiteren kurzen Aufschwung, nach einer Brücke über den malerischen Bergbach, ist man bei der Hütte, die in Mitten der Dreitausender steht, die die westliche Begrenzung der Stubaier Alpen und zeitgleich die östliche Begrenzungen der Ötztaler Alpen darstellen.

Hier eröffnet sich einem eine grandiose Aussicht auf die umliegenden Bergriesen. In der Hütte kann man sich jetzt nach Lust und Laune verwöhnen lassen und jedem sei die heiße Schokolade mit Rum vor der Rodelabfahrt empfohlen.

Auf der urgemütlichen Hütte, auf der man häufig mit bayerischem Dialekt bedient wird (Gott sei Dank nicht im Dialekt der neuen deutschen Bundesländer! Nichts gegen die neuen deutschen Bundesländer, aber der Dialekt passt meines Erachtens nicht wirklich zu einer Hüttenbedienung ;-)) kann man auch sehr schön übernachten und  mehrere Tage mit Schneeschuhtouren oder Skitouren verbringen!

ACHTUNG: Wenn es  jedenfalls wieder talwärts geht, sollte man unbedingt beachten, daß man auf der Amberger Hütte seit diesem Winter (wegen dem Lawinenunglück) keine Rodeln mehr ausleihen kann. Also entweder auf der weiter talwärts liegenden Sulztalalm  entweder in Aufstieg eine Rodel ausleihen oder am besten gleich die eigene Rodel mitbringen!!!

VIEL SPASS!