Category Archives: Nacht

WATZMANN NIGHTS

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Einsame Bergwelten …  das stimmt am Jenner am Königsee nur bedingt. Ein goldenes Oktoberwochenende  hatte alle Sonnenhungrigen noch einmal hinausgelockt in das Berchtesgadener Land, zum Königsee und eben zu dem Aussichtsgipfel Jenner. Tagsüber kommt man sich am Wochenende dort wie eine Arbeiterameise mitten in einem Ameisenhaufen vor. Kitsch- und Königsee – Collectibles an jeder Ecke, vom See schallt das Trompeten – bzw.  Flügelhornecho der Bootsführer, die einige der „Ameisen“ nach St. Bartholomä bringen. Im Oktober ist es hier aber auch kitschig schön:  „Brennende“ Buchen in feuerrot und orange lodern beidseits an den Ufern des Königsees, die das fjordgleiche, tiefblaue Auge des Sees als „Ring of fire“ rahmen. Es ist hier fast so kitschig (schön), wie mein eben vorangegangener Satz im Blog. Continue reading WATZMANN NIGHTS

SONNENAUFGANGSTOUR AUF DIE SERLES – FÜR PAPA

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 Serles klein blog

Will man einen beliebten “Modegipfel” einmal einsam erleben, muss man früh aufstehen – wobei “früh” manchmal relativ ist

1.00 Uhr morgens, der Wecker klingelt, “ist es wirklich schon so spät (bzw früh)?”, bohren sich die ersten Fragen des Tages in mein Bewusstsein. Raus aus den Federn, die nur 4 Stunden unseren Schlaf gebettet hatten, und rein in die Bergklamotten. Der am Vorabend gepackte Rucksack (schwer wie immer) wird geschultert und auf geht es Richtung Stubaital… aber Moment, alles der Reihe nach…

Die Serles (2717m) ist wohl der dominanteste Berg, der über dem Brennertal thront und jedem Reisenden bekannt, der schon einmal auf der Autostrada von Innsbruck nach Italien unterwegs war. Zu mindestens hat sie dort schon jeder Reisende, der schon einmal über die Europabrücke fuhr (wenn auch unwissend um ihres Namens) einmal bewundern müssen, denn die freistehende, gewaltige Pyramide der Serles beherrscht in dominanter Weise das Brennertal (zu mindestens bei schönem Wetter). Durch diese freistehende Position ist sie einer der beliebtesten Aussichtsgipfel Tirols und deshalb auch bei allen Bergsteigern äußerst beliebt. Der nicht allzu schwere Anstieg steigert ihre Beliebtheit noch weiter, so daß man sich auf dem Gipfel an manchen schönen Sommertagen, auch mitten am Stachus in München wähnen könnte. Nicht nur wegen der Menge an Bergsteigern, sondern auch auf Grund des bayerischen Dialekts, der neben dem Tirolerischen, dort oben wohl die am häufigsten gesprochene Mundart darstellt. Ich habe schon einige Münchner Bergsteiger getroffen, die die Serles sogar als ihren südlichsten Hausgipfel bezeichnet haben. Wer schon einmal dort oben gestanden hat, versteht den Grund für dessen Beliebtheit. Der freie Blick kann in 360 Grad ohne Hindernisse, von der Zugspitze über die Mieminger Kette, weiter über das Karwendel, Inntal, Zillertaler, Brennerberge bis zu den Stubaitaler Gletscherriesen schweifen. Gipfelaspiranten sollten den Anstieg jedoch nicht unterschätzen, auch wenn die Serles jedoch keine nennenswerten Schwierigkeiten aufzuweisen hat: 1150 hm in ca. 3 Stunden Aufstieg, eine kleine Leiter über ein kurzes Felsband und ein paar Stahlseilsicherungen, manchmal ein wenig ausgesetzt, jedoch nirgends schwierig. Die größte Mühe bereitet wohl die Hitze, die bereits erbarmungslos nach wenigen Höhenmeter in den südlichen Latschenfeldern zuschlägt, die der Sonne bereits kurz nach Sonnenaufgang exponiert sind. Es gibt nach dem Gasthof am Ausgangspunkt keine Hütteneinkehr und somit tut man gut daran ausreichend Trinkbares, Sonnenschutz und Kappe einzupacken. Auf dem Weg zum Gipfel habe ich schon einige Touristen gesehen, die sich ohne Rucksack (somit auch ohne Trinkbarem) und Kappe, mit knallrotem Kopf den Berg herauf gequält hatten. Bis heute frage ich mich ob diese wieder heil den Berg herunter gekommen sind. Nachdem ich auf weiteren Touren bisher jedoch am Wegesrand keine in der Sonne gebleichten Knochen ausmachen konnte, gehe ich einfach einmal davon aus, das alle wieder wohlbehalten beim Ausgangspunkt Maria Waldrast (Klostergasthof und Wallfahrtsort) angekommen waren.

Bereits vor genau 30 Jahren, im Alter von 10, stand ich das erste Mal stolz an der Seite meines Vaters auf dem Haupt der Serles und bewunderte die Panoramaaussicht. So las ich kurz nach unserer Tour im Eintrag meines 1. Tourenbuches, den ich zum 10. Geburtstag von meinem Vater geschenkt bekommen hatte, und akribisch genau in Schönschrift verfasst und mit Zeichnungen verfeinert hatte. Das war auch das erste Mal, daß ich ein Gewitter in den Bergen auf dem Abstieg miterleben durfte. Ein “erleuchtendes” Erlebnis, auf das mein Vater wohl liebend gerne verzichtet hätte, so spüre ich noch heute deutlich seine Erleichterung, als wir tropfnass (damals gab es noch kein Goretex Klamotten), aber heil und in einem Stück an der Waldrast ankamen. Ich weiß bis heute nicht vor was er sich mehr gefürchtet hatte, vor dem Gewitter oder dem Donnerwetter meiner Mutter! So wurde wohl der Grundstein für meine Liebe zu den Bergen gelegt, hatte ich nun Blut geleckt, nach diesem für mich ersten richtig “hohen” Berg.

Zahlreiche weitere Besteigungen sollten folgen, so daß ich bis heute weit mehr als ein dutzend Mal der Serles auf das Dach gestiegen bin.

Nun wollten wir einmal jedoch die Serles auf eine ganz andere Art und Weise genießen – nämlich einsam. Gesagt, getan … 3 Stunden Aufstieg … Sonnenaufgang um exakt 5.38 Uhr … 45 Min Anreise bis zum Parkplatz im Stubaital … Aufstehen folglich also um …äh… 1.00 Uhr morgens … kann das wahr sein?
“Der Sonnenaufgang auf einem Berg wird zuweilen ganz und gar überschätzt”, kam es mir unwillkürlich bei der Planung in den Sinn. Jedoch wollten wir das Naturschauspiel ja möglichst einsam bestaunen, so führte kein Weg daran vorbei, am Aufstehen um 1.00 Uhr morgens.

2.15 Uhr: Parkplatz Maria Waldrast … perfekt in der Zeit … die schweren Bergstiefel wurden geschnürt und jeder nahm noch einen letzten Schluck seiner heissen Gutemorgen- Schokolade.

2.25 Uhr: Scheinwerfer eines Autos schraubten sich die Serpentinenstraße zum stockfinsteren Parkplatz nach oben. “Das gibt’s doch gar nicht, noch so ein Verrückter wie wir?” … Tatsächlich, ein weiteres bergverrücktes Pärchen, mit offensichtlich dem gleichen Ziel. Naja, ist ja auch verständlich, daß auch andere Naturbegeisterte auf diese Idee kommen.

3.00 Uhr: Ein lautes “Griaß enk” riss mich aus meinem fast meditativen Aufstiegsmonoton aus Schritt – Einatmen – Schritt – Ausatmen. Zwei Anfangzwanziger  (wenn überhaupt) stapften strammen Schrittes, mit ihren durch die Stirnlampen kaltweiß erleuchteten Häuptern, an uns vorbei. “Naja, hier hat die Jugend scheinbar noch anderes im Sinn als Diskotheken und Komasaufen” hatte ich noch gar nicht zu Ende gedacht, als ein weiterer Morgengruß folgte und der dazugehörige weibliche Anhang an uns vorbeizog. “Gut trainiert die Jugend hier”, stöhnte ich unter meinem Berg an Rucksack.

4.00 Uhr: Im Osten konnte man ein erstes zartes Band des neuen Tageslichtes erahnen.

Der westseitige Kessel der Serles war erreicht und gab nun den Blick in Richtung des letzten Gipfelanstiegs frei. Was sich uns hier bot, glich mehr der nächtlichen Aufstiegsroute des Mount Everest vom letzten Hochlager zum Gipfel, als unserer erhofften einsamen Serles: Zahlreiche Lichtpunkte, aus unzähligen Stirnlampen erleuchteten die markanten Serlesscharte und Gipfelrücken. Das war es dann wohl mit unserem “einsamen” Sonnenaufgang.

4.30 Uhr: Serlesscharte: Nun hieß es sich zu konzentrieren. Eine kurze ausgesetzte Stelle, die tagsüber nicht besonders schwierig ist, verlangte unsere vollste Aufmerksamkeit. Durch den nächtlichen Tau und den von tausenden Schuhen glattpolierten Fels, war sowohl die Aufstiegsroute als auch Stahlseil unangenehm rutschig.

Die uns umgebende Dunkelheit, und die aus dem Tal aufsteigende Nebelfetzten, ließen die tagsüber friedliche Austiegsroute, kein Bisschen leichter erscheinen. Weiter unten folgten zahlreiche weitere “Lichtpunkte”.

5.15 Uhr: Der Gipfel. Die letzten Höhenmeter hatten wir über steiles Blockwerk und schweißtreibenden Schotter hinter uns gebracht. “Ich hätte nicht gedacht, daß man auch ohne Sonne derart schwitzen kann” stöhnte ich und nahm einen Schluck Tee aus der Thermoskanne. Der sich nun auftuende Blick entschädigte jedoch sofort für Mühen und der “geteilten” Aussicht. Da der Gipfel eher einem kleinen Plateau ähnelt als einem Gipfel, ist dort oben recht viel Platz für andere Gipfelaspiranten, so daß die geschätzten 30 anderen “Sunrises-Gazers” nicht besonders auffielen.

5.40 Uhr: Der frühmorgendlich im Tal liegende Nebel, ließ das Licht einer blutrot aufgehende Sonne in Bündel über dem Talgrund tanzen. Die ersten Spitzen der höchsten Gipfel wurden mit Sonnenlicht bemalt und die Schatten wichen langsam aus dem Tal. Im Westen warf die freistehende gigantische Pyramide der Serles Ihren Schatten über Fulpmes im Stubaital, wie die Pyramide von Gizeh über die ägyptische Wüste.
Vor lauter Staunen hätte ich beinahe vergessen zu fotografieren.

6.15Uhr: Dem Drang meinen Vater anzurufen und ihn wahrscheinlich aus seinem wohlverdienten Schlaf zu reißen, um ihm von meinen sentimentalen Gedanken auf dem Gipfel der Serles zu berichten, konnte ich gerade noch widerstehen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Brezen und Nutella (Anmerkung das Autors: hintereinander nicht zusammen!), unzähligen “Ohhhhs” und Ahhhhs”, machten wir uns auf den 2 stündigen Abstieg zurück zur Waldrast.

Auf dem 1100 Meter hoher Abstieg begegneten wir, für einen ganz normalen sonnigen Sommertag an der Serles typischen, gefühlten 1100 schwitzenden Gipfelaspiranten. Einige unter ihnen waren wieder ohne Rucksack oder Kopfbedeckung unterwegs … wer weiß, was uns das nächste Mal am Wegesrand erwartet …

 

Resümee: Wer die Serles gerne einsam erleben möchte, muss dies wohl im Hochwinter bei Schneesturm, Nebel und nachts tun. Alle anderen können den gigantisch tollen Blick zu jeder anderen Jahreszeit und Tages-und Nachtzeit genießen. Alleine sein wird man allerdings nicht, jedoch ist es allemal egal bei dieser Aussicht.

 

PS: Von einer Freundin habe ich im Nachhinein erfahren, daß sie wiederum von einer befreundeten Pilotin weiß, die schon häufiger nachts die Serles überflogen hat, daß nächtliche Besteigung der Serles wohl eher die Regel als die Ausnahme sind. Die Serles ist wohl der einzige Gipfel der bei ihren Überflügen, jedesmal von zahlreichen Lichtpunkten erleuchtet war. 

 

 

HIER EIN 360° QUICKTIMEPANORAMA

 

 

THIS IS WHERE I LIVE

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Panorama Mieming Nacht Blog

 

Mein Wohnort bei Nacht im 360º Blick mit Milchstraße und Halbmond. Das Bild zeigt ein 3 zeiliges Panorama aus 12 Bildern pro Zeile und jeweils ein weiteres Bild für Zenit und Nadir, also insgesamt 38 Aufnahmen. Stitching Software: PTGUI PRO.

Wenn Ihr mich begleiten wollt, auf einen nächtlichen Ausflug in meine Wahlheimat, dann klickt doch einfach HIER! Kurz darauf könnt Ihr sehen, was ich sah in jener Nacht, in einem 360º QUICKTIME PANORAMA. Legt euch einfach in das “Gras” und lasst den Blick in den Sternenhimmel schweifen! Viel Spaß!

Nachts hat man deutlich weniger Probleme (ausser bei Vollmond) starke Belichtungsunterschiede (Sonne) im Panorama in den Griff zu bekommen. Dennoch sollte man die Aufnahmen zügig belichten, da auf Grund der Erdrotation sich Sterne und Milchstraße scheinbar weiterbewegen, und so zu Ungenauigkeiten führen. Ebenso ist ein stabiles Stativ, ein verlässlicher Panoramakopf (Nodalpunkt) und ein lichtstarkes Objektiv essentiell für ein gutes Ergebnis eines nächtlichen Panoramas. Die Dunkelheit sollte bei der Planung ebenso wenig ausser Acht gelassen werden: Der Autofokus funktioniert in der Regel nicht, so daß Begriffe wie “Unendlichkeitseinstellung” oder Hyperfokaldistanz keine Fremdworte darstellen sollten. Das Bedienen des Panoramakopfes, als auch der Kamera sollte “blind” und zügig durchgeführt werden können, sonst verliert man schnell kostbare Zeit, was wiederum zu Bildungenauigkeiten mit nachfolgender, verstärkter Retusche im Postprocessing führt. 

 

Oh my God, it´s full of stars

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 My God, it´s full of stars

Was soll ich sagen … der Wetterbericht war ideal, die Tour schon lange geplant … also alles gepackt und ab ins Stubaital. 28 Grad im Schatten ist für die meisten ja eher ein Anreiz zum Schwimmen zu gehen, nicht jedoch für uns. Der Aufstieg zur Franz Senn Hütte mit 22kg Foto- und Bergausrüstung auf dem Rücken, ließ in einem jedoch schon die Frage aufkommen, wieso man sich das antut und nicht wie alle anderen an einem See liegt.

Das Ziel war eigentlich einer der schönsten Bergseen Tirols, der auf 2665m gelegene Rinnensee. In der Hütte “eingecheckt”, bezogen wir (meine Frau, unsere beiden Hunde und ich) unser gemütliches Zweibettzimmer, das wir geplanter Weise quasi nur als Basecamp nutzen wollten: Wer am Rinnensee bis ca. 1.00 Uhr morgens fotografieren möchte, hat danach noch eine Stunde Abstieg durch die Dunkelheit vor sich, auf einem recht beschwerlichen Weg zur Hütte. Nachdem es auf der Hütte nur Frühstück bis 7.30 Uhr gibt, sollte diese Nacht also nicht allzu lange werden. Ein Zelt war diesmal keine Option, wir hatten nämlich keine Lust die ganze Nacht im Schnee zu verbringen, denn die Auskunft des Hüttenwirtes erbrachte, daß ab ca. 2400m noch recht viel Schnee läge.
Nach einem leckeren Abendessen machten wir uns auf die Socken Richtung Rinnensee. Die verdutzte Frage: “Wo wollt Ihr jetzt noch hin???” hörte ich noch immer in meinen Ohren schallen und hatte dabei das verständnislose Gesicht der Bedienung der Hütte vor Augen, als die Hütte unter uns immer kleiner wurde und wir schwer beladen, gegen 20.00 Uhr in Richtung Rinnensee stapften. Die 450 Höhenmeter von der Hütte fühlten sich irgendwie  doppelt so weit an, nach dem üppigen Drei-Gänge-Menü mit den schweren Rücksäcken auf dem Buckel. Unser steiler und beschwerliche Aufstieg über teilweise riesiges Blockwerk und durch zahlreiche rauschende Bergbäche, wurden von einem Pfeifkonzert der Murmeltieren eskortiert, die sich wohl über die späte Störung ärgerten und unsere beiden Jagdhunde beinahe um den Verstand brachten. Kurz vor dem letzten Aufschwung präsentierte sich, in bester Pose und Abendlicht, eine Gämse auf einem Felsvorsprung, perfekt freigestellt gegen einen dramatischen Abendhimmel, in idealer Distanz für ein 500mm Objektiv. In mich hinein fluchend verteufelte ich alle Hersteller schweren Fotoequipments. Natürlich hatte ich die schwere und unhandliche Telelinse nicht auch noch mitgenommen. Die Gämse ließ sich nicht durch die späte Ruhestörung und mein „Gefluche“ aus der Fassung bringen und beobachtet unser, für sie wohl ungewohnt spätes Eindringen in Ihr Revier, von ihrer Aussichtskanzel. Erst durch das aufgebrachte Winseln unserer beiden Jagdhunde, die gegen einen kleinen “Nachtisch” wohl nichts einzuwenden gehabt hätten, wurde es dem Gamsbock doch etwas mulmig und er verschwand von seinem Ausguck.
Über den letzten Buckel und wir waren am See … d.h. das was Eis und Schnee in diesem Jahr bisher von dem See freigeben hatten. Der Rest lag noch immer unter einer dicken Schneedecke begraben. Wir waren dort schon häufig früher im Jahr unterwegs, jedoch lag dort noch nie so viel Schnee wie in diesem Jahr. Die Spiegelung der Milchstraße konnte ich nun also teilweise vergessen … Kopfschüttelnd stapfte ich durch den weichen Schnee am Ufer entlang, um eine geeignete Position für meine Kamera zu finden, um möglichst viel “Spiegelung” der gegenüberliegenden Bergkette mit auf das Bild zu bekommen … “Moment mal” … vor kurzem gab es doch noch eine gegenüber liegende Bergkette … Jetzt hatte sich eine riesige Nebelwand wie eine gigantische Decke über das komplette Bergmassiv gelegt und rollte auf uns zu. Ein “na toll” kam mir gerade noch über die Lippen, und Minuten später standen wir in dichtem Nebel. Meine Frau und Hunde hatten es sich bereits in ihren Daunenklamotten mit Tee und Decke gemütlich gemacht und ein kleines gemütliches “Biwak” auf einem großen Felsen eingerichtet, der perfekt geschützt wie ein gigantischer Ohrensessel halb geöffnet zur Seeseite lag. “Es ist doch erst 10 Uhr”, versuchte sie mich zu trösten und gab mir eine Tasse heißen Tee. Der Blick ins Smartphone zeigte noch immer ein “wolkenlos für die ganze Nacht”, in der aktualisierten Wetterapp. So kuschelten wir uns zu viert in den “Ohrensessel” und sahen dem Nebel dabei zu, bei dem was Nebel ebenso macht: mein Motiv verhüllen! Gefühlte Stunden später gaben die sich auflösenden Schwaden, den Blick plötzlich (um ca. 11.00 Uhr) teilweise wieder frei und ich machte ein paar Probeaufnahmen. Obwohl es für das Auge bereits fast komplett dunkel war, sah meine Kamera das anders, so daß es für die geplanten Milchstraßenaufnahmen wohl noch mindestens eine Stunde dauern würde. Der Nebel verdichtete sich erneut, um sich Minuten später wieder aufzulösen. Die ersten Sterne erschienen, jetzt für die an die Dunkelheit adaptierten Augen. Doch mit den ersten Sternen erschien noch etwas ganz anderes, auf das wir gerne verzichtet hätten: Wetterleuchten … noch mehr Wetterleuchten … Der panische Blick auf das Blitzradar ergab nur folgendes: “kein Netz”. Keine Verrenkung oder noch so artistische Einlagen auf einem exponierten Felsen führte zu dem gewünschten Ergebnis, eine günstigere Position für ein besseres Netz zu bekommen. Die Netzbalken blieben verschwunden.
Wer schon einmal ein Gewitter in über 2000m Höhe miterlebt hat so wie wir, ist nicht besonders scharf darauf dieses “erleuchtende” Erlebnis zu wiederholen. 
Der Nebel verdichtete sich erneut und das Wetterleuchte nahm zu…
Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Meteorologen dafür entschuldigen, was ich in dieser Nacht über sie gesagt oder gedacht habe… 
Es half jedoch kein Zetern oder Jammern, die Ausrüstung wurde zusammengepackt und wir machten uns schleunigst an den Abstieg. Der zu Beginn weglose Abstieg über Blockgelände gestaltete sich in der Nacht und bei Nebel nicht ganz so einfach. Die wenigen Wegmarkierungen und Steinmänner waren nur Dank extrem leistungsfähiger Stirn- und Taschenlampen aufzufinden. Ein GPS Gerät war zwar zur Hand, jedoch hätte ein auch noch so kleines Versteigen ein großen Zeit- und Kraftverlust in diesem Gelände nach sich gezogen und schließlich war das Wetterleuchten zwischenzeitlich nicht weniger geworden. Der Schein unserer Lampen war die einzige Lichtquelle, die die wenigen Meter des Berges vor uns erhellte. Ohne sie war es auf Grund des Nebels stockfinster um uns herum, selbst für das an Dunkelheit adaptierte Auge. Der weitere Abstieg über Schotter, Geröll und Altschneefelder ging jedoch problemlos, so daß wir schnell an Höhe verloren und schließlich zügig an die Gletscherseitenmoräne zurückkamen.
Jetzt deutete meine Frau Richtung Himmel, den ich die letzten Minuten, vor lauter mich über die Meteorologie ärgern, ganz vergessen hatte. Der Himmel war nun sternenklar und  gab den Blick auf eine beeindruckende Milchstraße frei. Das Wetterleuchten im Süden war zwar nicht ganz verschwunden, aber jetzt ohne Nebel konnte man deutlich sehen, daß dort im Süden keine bedrohliche Gewitterfront auf uns zukam. Das Wetterleuchten stammte wohl von einem weit in Südtirol tobenden Gewitter.
Wir waren ca. 200m oberhalb der Hütte, so daß der Blick noch immer wunderbar über das weite Oberistal schweifen konnte. Zwar ohne Rinnensee und Spiegelung, aber so kam ich doch noch zu meinem Milchstraßenpanorama.
(Wer Stanley Kubricks 2001 Odyssee im Weltraum kennt ist sicher aufgefallen, daß der Titel meines Panoramas, als bescheidene Hommage an diesen einmaligen Film gedacht sein soll)

Auf der Suche nach Nordlichtern

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Im Februar  bin ich mit meiner Frau und meiner Schwiegermutter nach Luosto , im Norden Finnlands, jenseits des Polarkreises, gefahren. Wir wollten dieses Jahr das noch bestehende Sonnenaktivitätsmaximum nutzen, das alle 11 Jahre ihren Höhepunkt erreicht und dann wieder abflaut.  Man fliegt in 2 ¾ Stunden von München nach Helsinki als Zwischenstopp und in 1 ½ Stunden weiter nach Rovaniemi, in finnisch Lappland.

Dort angekommen haben wir uns mit einem Mietwagen aufgemacht, noch weitere 140 km nördlich durch die finnische Taiga bis nach Luosto, am Rande des Phyhä Luosto Nationalparks, zu fahren.

Die brettebene  Taiga ist im diesen Teil Finnlands immer wieder durch ein kleines Fjell unterbrochen, das wie eine Insel aus der Brandung ragt. So auch das kleine „Gebirge“ des Pyhä Luosto Nationalparks. Im Sommer kann man hier in der Mitternachtssonne wunderschöne Wanderungen unternehmen und dabei Bären, Vielfraß, Unglückhäher, Rentiere (wenn auch domestizierten) und Co. begegnen. Im Winter herrscht hier eine Winterlandschaft vor wie aus einem Märchen. In den Bergen sind wir ja einiges an Schnee gewohnt, aber was sich uns hier bot, habe ich bisher noch nicht gesehen.

Die ganze Landschaft ist unter einer eisigen Decke aus Pulverschnee und Eis begraben. Schnee und Wind formen unglaubliche Skulpturen aus allem, was sie unter sich begraben. Eiskristalle haften auf jeder glatten Oberfläche und schauen wie eisige Rasierklingen Zentimeter weit hervor. Die Straßen sind eigentlich im Winter nur Schneepisten, die aber glattgeräumt mit Spikes, die hier alle Autos haben, wunderbar mit 80-100km/h befahrbar sind. Man tut im Übrigen gut daran die lustigen kleinen Stromkästen, die jeder Parkplatz im Norden Finnland hat über Nacht zu nutzen. Hier wird das Auto (nein es handelt sich nicht um ein Hybridfahrzeug) bzw. die Autobatterie über Nacht wieder aufgeladen, da es nachts durchaus einmal -40 Grad geben kann.

Von unserem Hotel Santa Aurora Chalet, welches ich nur empfehlen kann, haben wir alle Unternehmungen unternommen. Wir waren Schneeschuhwandern im “ Winterwonderland“ und haben tagsüber so die besten Nordlichtspots ausgekundschaftet. Wir haben einen Tag lang Musher gespielt und eine 10 km lange Schlittenhundetour unternommen und uns fast wie ein Trapper am Yukon gefühlt, die nördlichste Amethysten Mine der Welt besucht und einer Rentierfarm einen Besuch abgestattet.

Doch das absolute Highlight war natürlich die Suche nach Polarlichter. Die Wetterprognose war die ersten beide Tage nicht hoffnungserweckend, aber am 3. Tag klarte der Wolken verhangene Himmel auf und wir hatten 3 Nächte in Folge bestes Polarlicht Wetter. Jetzt musste nur noch der „Nordlichtgott“  ein Einsehen haben. Die AKM Polarlichtvorhersage von meteoros.de war seit Tagen nur auf „quiet“ und  so saßen wir extrem nervös beim Abendessen und hofften auf eine Aktivitätssteigerung.  Nach dem Abendessen packten wir uns in unsere Polarausrüstung, in der man es nur wenige Minuten in einem beheizten Zimmer ertragen kann, ohne einen Schweißausbruch zu erleiden, und machten uns auf zu dem ausgekundschafteten Spot, der ein paar Kilometer außerhalb der winzigen Ortschaft Luosto lag. Diese paar Kilometer reichten aus, das wenige Kunstlicht von Luosto nicht mehr als Störung auf den Aufnahmen zu haben, und die geringe Besiedelung des Nordens Finnlands tat ihr Übriges.

Alle Befürchtungen waren umsonst, denn bereits auf dem Parkplatz vor dem Hotel war ein gigantischer Polarlichtbogen über dem Hotel, trotz des Kunstlichts, erkennbar (also ein KP Wert von mindesten 4, was „unsettled“ bedeutet). Wir schmissen unsere Ausrüstung schleunigst  in das Auto und gaben richtig Gas um nicht das Spektakel zu verpassen, während wir im Auto saßen.

Fotografieren kann richtig Stress sein wenn das „Schauspiel“ schon begonnen hat. 3 Kameras wurden auf Stativen an verschiedenen Spots aufgebaut. Eine Kamera nahm auf einem Motor betriebenen Dynamic Perception Dolly kontinuierlich Bilder auf, für ein späteres Zeitraffer Movie. In so einem Zustand ist es wirklich empfehlenswert tagsüber die Lokation schon einmal besucht zu haben (bzw. auch einmal in der Nacht wegen Orientierung und Abklärung von Kunstlicht, ebenso wegen den Kameraeinstellungen) um die besten Stellen bereits zu kennen. Dass man seine Kamera blind bedienen können sollte, meine ich in diesem Sinne wörtlich. Da ein Polarlicht sich aufbaut, sich verändert, ein Maximum hat und wieder innerhalb von Minuten abflaut muss die Kamera schnell bedient werden können. Eine Taschenlampe (Stirnlampe) führt zwar zum selben Erfolg wie eine sichere blinde Bedienung aber man verliert jedes Mal seine Nachtsichtfähigkeit, die wichtig ist um einen Vordergrund fotogen in die Komposition einzubauen. Man kann zwar wie die Astronomen es beim „Stargazing“ machen, rotes Licht verwenden, um die Nachtsicht nicht zu verlieren, aber auch Stirnlampe an und Stirnlampe wieder ausschalten kostet wertvolle Zeit.

Ebenso verhält es sich mit den Kameraeinstellungen. Ein wenig Erfahrung in der Nachtfotografie ist quasi unerlässlich um Polarlichter schön ablichten zu können. Da der Autofokus der Kamera nachts nicht funktioniert sollten Begriffe wie „Hyperfokaldistanz“ oder „Unendlichkeitsstellung“ des Objektives keine Fremdwörter sein. Die ideale Ausrüstung ist in jedem Falle eine Spiegelreflexkamera mit einem lichtstarken Objektiv,  mit einer Öffnungsblende von mindestens f2.8, auf einem stabilen Stativ und einer Fernbedienung (mit oder ohne Kabel) für schwingungsfreies Auslösen! Der Sensor sollte selbst bei hohen ISO zahlen wenig rauschen, d.h. ein Vollformatsensor ist hier deutlich im Vorteil!

Nach 2 ½ Stunden kompletten Stress hatte ich meine Speicherkarten voll und war ehrlich gesagt auch nicht mehr in der Lage auch nur ein einziges weiteres Bild mehr aufzunehmen. Das Dolly war komplett vereist und der Motorschlitten mit Spiegelreflexkamera „eierte“ nur noch über die Eiskristalle, doch alle 15 Sekunden löste die Kamera weiterhin aus.

Ich konnte nun das Schauspiel endlich wirklich genießen.

Wir warfen uns rücklings in den Schnee und genossen das Spektakel über uns. Der Himmel brannte mit einem gespenstischen grünen  und pinken Licht. Die Nordlichter flackerten, waberten, formten Bögen, Flammen, Linien, um dann Minuten später zu zerfallen. Direkt über uns war eine riesige Korona entstanden und ich dachte kurz noch einmal daran die Kamera zu holen, doch den Gedanken verwarf ich schleunigst wieder.

Ich habe in meinem Leben schon viele Länder bereisen dürfen und  unglaubliche Naturschauspiele und Schönheiten bestaunen dürfen, aber nichts führte mir bisher die Winzigkeit und Unbedeutsamkeit meiner menschlichen Existenz  im Vergleich zum Universum so gewaltig und deutlich vor Augen, wie die Polarlichter in jener Nacht. Demütig lag ich im Schnee und bewunderte die Farbe, die den Himmel erfüllten.

Besonders diese Augenblicke sind es in denen mir bewusst wird, daß wir Menschen die Pflicht haben die Schönheiten die unser Planet zu bieten hat, zu bewahren und zu schützen. Nicht nur für uns, sondern für alle die nach uns kommen!

Nach einer weiteren Stunde mit Nordlicht packten wir unsere Sachen und fuhren zurück. Auf der Fahrt wurde mit erst bewusst, daß ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen war.

Zurück im Hotel zeigte der Ausschlag auf der Lokalen finnischen Polarlichtseite „Aurora now“ einen KP Wert von 5.

Auch die nächsten beiden Nächte boten bei bester Sicht,  ein Polarlichtschauspiel vom feinsten.

Jeder der sich für das Polarlicht interessiert sei eine Reise nördlich des Polarkreises in den nächsten 1-2 Jahren dringend ans Herz zu legen, da danach die Sonnenaktivität wieder abnimmt und erst in 11 Jahren ein vergleichbares Maximum zu erwarten ist.

Jeder der eine Reise nach Luosto unternehmen möchte kann von mir gerne sehr brauchbare Insiderinfos erhalten, die in keinem Reiseführer zu finden sind (z.B. GPS Daten der besten Spots etc.)!

Und nun viel Spaß von meinen Impressionen aus Lappland (das Movie ist immer noch in Bearbeitung und wird in einem zweiten Blogeintrag in den nächsten Wochen veröffentlicht)

Rentiergallerie

 

Schnee in Finnland

 

Sonnenuntergang in Finnland

 

Aurora Borealis

 

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