MESA ARCH

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Ein sog. „easy to get shot“, jedoch so easy sollte er für mich gar nicht werden. Vielleicht weil ich es zu sehr wollte. Bei unserer ersten Reise in den Südwesten 2007 haben wir es erst um die Mittagszeit geschafft dorthin zu kommen: Canyonlands ist groß und ich hatte den Abend zuvor eines meiner Lieblingsbilder aus dieser Reise im benachbarten Arches Nationalpark aufgenommen: den Delicate Arch bei Sonnenuntergang. Anstrengende Wanderung (weil heiß) und unsere Übernachtungsmöglichkeit lag weit außerhalb von Moab.  Natürlich herrschte um die Mittagszeit eher bescheidenes Licht. Naja, schon damals der erste Grund wiederzukommen.

2013 sollte alles anders werden:

Aufstehen um 3.30 Uhr morgens und Abfahrt von Moab. Der erste Blick in den noch stockfinsteren Nachthimmel offenbarte nichts Positives. Komplett bewölkt – M I S T! Auf der ca. 1.5 stündigen Fahrt zeigte sich eine kleine Auflockerung am östlichen, sich bereits ganz leicht erhellenden Morgenfirmament. Ob es sich wohl ausgehen würde? Nach unzähligen Kurven, Serpentinen und gefühlten 1000 Jackrabbits, die der Meinung waren, es wäre eine ziemlich gute Idee um diese Uhrzeit, kurz vor unserem Wagen die Straße zu queren, endlich der Wanderparkplatz zum Mesa Arch (ohne Hasenverluste). Verdammt, der erste Fotograf stand bereits am Parkplatz mit geschultertem Rucksack. Ich wusste noch vom letzten Mal, daß die besten Plätze zum Fotografieren sehr knapp sind und viel Platz hat man ohnehin nicht. Man muss sein Stativ quasi direkt an die Abbruchkante zum Abgrund stellen. Direkt unter dem Arch bricht das Hochplateau jäh mehrere hundert Meter in die Tiefe ab. Die meisten hier geschossenen Aufnahmen entstehen von Herbst bis Frühling, das bedeutete ich musste mich im Sommer, auf Grund der sehr weit links unter dem Arch aufgehenden Sonne, deutlich rechts halten. Nur je weiter rechts umso ungünstiger würde es hinsichtlich Winkel, Platz und Perspektive werden.

Der 15 minütige Zustieg über einen recht gut markierten und ausgetretenen Weg bot mit Stirnlampe keinerlei Schwierigkeiten.

Ok, der Fotograf vor mir kannte sich wohl aus, stand er doch an dem einzig logischen Punkt: nur soweit rechts wie gerade nötig, aber eben auch nicht zu weit, um in den ungünstigen Bereich zu kommen.

Nach kurzem Smalltalk zückte ich mein iPad und checkte die genaue Position der aufgehenden Sonne (die APP STARWALK leistet hier sehr gute Dienste): Es sollte sich gerade noch ausgehen, daß ich mich knapp linker Hand des ersten Fotografen platzieren konnte.

Nach dem Aufbau von Stativ und Kamera zeigte sich die erste leichte Morgenröte als dünner heller Streifen, nur leider viel zu weit südlich, die Sonne würde deutlich weiter nördlich aufgehen. Die Wolken zogen zwar von Süden nach Norden ab, jedoch war in einer knappen halben Stunde  Sonnenaufgang.

_F4Q4851_2_3 Kopie Mesa Arch ohne das “Glühen” durch die aufgehende Sonne

 

Eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang war klar, daß es mit dem „Glühen“ des Mesa Arches wohl auf Grund der Bewölkung nichts werden sollte. Ich machte noch ein paar Aufnahmen, auch auf dem Mesa Arch, von dem man einen gigantischen Blick hat. Hier sollte man sich jedoch sehr umsichtig bewegen, steht man doch sehr exponiert (Der Arch selbst ist ca. nur 1 m breit). Obwohl um die Mittagszeit ganze Busladungen an Asiaten mit Flip Flops ÜBER den Mesa Arch wandern, ist erstaunlicher Weise noch nie etwas passiert.

_F4Q4892_3_4 Kopie
Ausblicke in einen bewölkten Morgen

 

Also zusammen packen und das Ganze am nächsten Morgen noch einmal. Eine halbe Stunde später wurde es traumhaft schön und heiß für den ganzen Tag.

Mesa Panorama Kopie Die Aussicht auf dem Arch ist auch nicht zu verachten, nur Vorsicht: vorne und hinten geht es mächtig runter!  Für das QUICKTIME PANORAMA BITTE HIER KLICKEN

 

Der nächste morgen verlief dann schon etwas zäher. Zum zweiten Mal so früh aus den Federn und die kurvige, nur so von Suizid gefährdeten Hasen wimmelnde Strecke …

Der Blick in den Himmel ließ mich jedoch sofort hellwach werden. Die einen brauchen einen starken Kaffee oder ein Red Bull, mir reichte ein sternenklarer Himmel.

Auf der sonst menschenleeren Straße ein SUV vor uns mit einer COLORADO Licence Plate – Mist, wahrscheinlich schon wieder ein Fotograf.  Jedoch wurde dieser kurzer Hand auf der letzten Geraden vor den Kurven überholt, da er sich wohl noch ziemlich schlaftrunken nur 35 Meilen/hour bei erlaubten 55 zutraute.

“Yes”, wir waren die ersten auf dem Parkplatz, so konnte ich nach zügigem Zustieg mein Stativ an der perfekten Stelle am Arch platzieren und der Himmel war noch immer sternenklar. Mit etwas zittrigen Händen überprüfte ich nochmals die Sonnenaufgangsposition – alles perfekt.

_F4Q5962 Panorama Kopie Der Mesa Arch kurz vor Sonnenaufgang mit wolkenlosem Himmel

 

Der gleiche Fotograf von gestern stellte sich neben mich und baute sein Equipment auf. Im Minutentakt trafen jetzt Fotografen aus allen Herren Ländern ein, buhlend um die letzten besten Plätze. Eine zweite Reihe wurde “eröffnet” und das nun herrschende babylonische Stimmengewirr ließ einen fast vergessen, daß man um 6.00 Uhr morgens mitten in der Wildnis stand. Das ist der Grund warum wir diesen Urlaub die eher weniger gut zugänglichen Sehenswürdigkeiten besuchen wollten, aber mit dem Mesa Arch hatte ich halt noch eine Rechnung offen.

Sonnenaufgang – ein Konzert bestehend aus einer Woge von Klickgeräuschen der Auslöser der Kameras umspülte mich wie eine Welle und ich musste in mich hineinschmunzeln. Quietschende Asiaten “sangen” in Tonlage ALT und zahlreiche „AHHHHHS…“ und „OHHHHHS…“ untermalten das Crescendo der nächsten klickenden Woge. Gefühlte 100 Fotografen hatten nun das gleiche Motiv, nur jeweils aus einem leicht anderen Winkel, auf ihren Sensor gebannt.

Mesa Pan Tina Kopie A photographer´s dream … Für das Quicktime Panorama bitte hier klicken

 

Ok, die zweite Reihe hatte noch ein paar Fotografen-Körperteile oder zusätzliches Equipment mit abgelichtet und würde unheimlich viel Zeit damit verwenden müssen, das alles in Photoshop wieder heraus zu stempeln …

WILDWEST Romantik pur also – egal, ich hatte meine Wunschbilder im Kasten und flüchtete nach links an den Canyonrand für ein Frühstück mit gigantischer Aussicht.   

 

VIDEO:

Ein kleines Zeitraffer Video des Sonnenaufgangs mit einer GOPRPO aufgenommen:

Mesa Arch Sunrise from Dr. Nicholas Roemmelt on Vimeo.

 

Ein paar Quicktime Panoramen:

Größer? Bitte hier klicken

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DIE GALLERIE:

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