NEVER STOP EXPLORING

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Lange Zeit war hier nichts Neues von mir zu lesen. Das lag jedoch nicht daran, daß ich untätig zu Hause gesessen wäre und keine neuen Bilder oder Geschichten zu präsentieren gehabt hätte. Mein Ende Februar erschienenes Buch hatte mich letztes Jahr ganz schön auf Trab gehalten und sehr viel meiner leider wenigen Zeit ausserhalb meines Jobs als Zahnarzt, in Anspruch genommen. Da das Buchprojekt in meiner Freizeit natürlich absolute Priorität hatte und ein eigenes Buch mit der Thematik „BERGE IN DER NACHT“ schon seit langem ein Wunschtraum von mir war, musste ich natürlich Prioritäten setzen. Das wird 2017 wieder besser, versprochen. Das Buch ist jetzt erschienen und ich bin ziemlich happy mit dem Ergebnis:

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Doch nun zu unserem Gletscherhöhlenabenteuer …

Das Tunnelsystem “unserer” Gletscherhöhle verzweigte sich in mehrere Äste

Seit ich vor Jahren zum ersten Mal ein Foto einer Gletscherhöhle gesehen hatte war ich Feuer und Flamme für die Höhlen aus Eis . Oft wird von einer “Eishöhle“ gesprochen was aber nicht ganz korrekt ist, denn meine besondere Faszination gilt konkret den Höhlen in Gletschern. Eine Eishöhle hingegen ist eine Höhle aus Fels in dessen Inneren, durch konstant tiefe Temperaturen einsickerndes Wasser ganzjährig gefriert und sich als Eis in der Felsenhöhle hält (wie die Eisriesenwelt Werfen i. Salzkammergut). Dadurch dass der Eingang zu einer solchen „Eishöhle“ der höchste Punkt des Tunnelsystems darstellt, sinkt die kalte und schwere Luft nach unten und das einsickernde Wasser in der Höhle kann gefrieren, wohingegen im Sommer die warme Luft draußen bleibt, weil die kalte Luft einen sog. Kältedeckel bildet.

Meine Faszintion hingegen gilt den sich durch Schmelzungsprozessen bildenden Hohlräume innerhalb eines Gletschers. Dabei hat jeder Gletscher ein ganz natürliches „Höhlensytem“ und Abflußsystem das am unteren Ende eines Gletschers im sog. „Gletschertor“ endet und dort das Schmelzwasser nach aussen leitet.

 

WIE ENTSTEHT EINE GLETSCHERHÖHLE ?

Gletscherhöhlen entstehen durch subglaziale Ablation und Sublimation

Zwei Mechanismen, die subglaziale Ablation und Sublimation haben besonders viel Einfluss auf die Entstehung der Höhlen im Eis:
„Subglaziale Ablation“: Schmelz- und Regenwasser schmilzt sich einen Weg durch Spalten, Rinnen und Gletschermühlen durch den Gletscher sammelt sich in subglazialen Hohlräumen und/ oder fließt unter dem Gletscher ab, genauso können in den Gletscher eindringende Gebirgsbäche sich durch den Gletscher einen Weg bahnen.
„Sublimation“: der direkte Übergang von Eis nach Wasserdampf. Besonders im Winter setzt verstärkt die Sublimation ein, durch den Dampfdruck und der im Winter trockeneren Luft geht das gefrorene Eis direkt in Wasserdampf über. Dabei wird Wärme verbraucht und es bildet sich eine kalter mit Wasserdampf gesättigter Luftfilm, der wiederum die Höhlenwände auch bei höheren Temperaturen festförmig hält. Ein starker Wind in den Höhlen würde dabei den Sublimationseffekt verstärken, da der Luftfilm verschwindet.

Durch die genannten Mechanismen tauen also ganze Tunnelsysteme unter dem Gletscher aus dem Eis, das Wasser kann sich dabei in riesigen subglazialen Hohlräumen (sog. Linsen) sammeln, die sich in einem Abfluss spontan entleeren können und durch das globale Abschmelzen der Gletscher dann freigelegt werden können.

In den vergänglichen Gletscherhöhlen kann man teils bizarre Formen im Eis entdecken

Der Höhlenverlauf ist in seiner Gesamtheit annähernd Neigungsparallel, jedoch können zahllose senkrechte oder steile Schächte, sogenannte Gletschermühlen und Spalten ins Innere führen. Der Boden der Höhlen muss nicht zwingend auf der Grundmoräne, also auf dem Gesteinsuntergrund liegen, sondern kann auch mitten durch das Eis führen.

Dabei können sich Höhlensysteme immenser Ausdehnung zusammen schließen : das größte zusammenhängende Gletscherhöhlensystem betrug eine Länge von 13km, die Paradise Ive Caves im Mt. Rainier Paradise Glacier in den USA. Dabei hatten die Höhlen teilweise einen Durchmesser von mehreren dutzend Metern.

Aber auch in alpinen Gletschern bilden sich immer wieder große Höhlensysteme. Durch die globale Gletscherschmelze öffnen sich immer wieder neue interessante Hohlräume, die es zu entdecken gilt. Doch so faszinierend diese Höhlen auch sind, so sind sie untrügliches Zeichen des stetigen und sich beschleunigten Schwindens unserer Gletscher. Ausserdem bergen diese vergänglichen Schönheiten auch große Gefahren, die man als potentieller “Besucher” nicht ausser Acht lassen sollte:

 

GEFAHREN EINER GLETSCHERHÖHLE:

Gletscherhöhlen sind unglaublich faszinierend, bergen aber große Gefahren

Ein Faktor der Faszination von Gletscherhöhlen geht von ihrer Vergänglichkeit aus, so kann eine wunderschöne Höhle bereits wenige Wochen später verschoben, eingestürzt oder teilweise abgeschmolzen sein, so daß die größte Gefahr der spontane Einsturz der Höhlendecke darstellt. Bei einer längeren Periode Tauwetters mit deutlichen Plusgraden wäre es ziemlich leichtsinnig eine solche Gletscherhöhle unbedarft zu betreten. Die kalte Jahreszeit von Dez – März mit einer vorangegangen Periode tiefer Temperaturen birgt dabei das geringste Risiko in einer Gletscherhöhle. Das kompakte Eis ist extrem schwer und ein herabfallender relativ kleiner Eisbrocken kann bereits schwere Verletzungen nach sich ziehen. Ein 1 Kubikmeter großer Eisblock hat bereits ein Gewicht von annähernd einer Tonne. Aufgrund der Masse eines Gletschers, der Hangabtriebskraft und der plastischen Verformbarkeit des Eises schieben sich die Eismassen von der Akkumulationszone zur Ablationszone ins Tal. Eine in einem sich bewegenden Gletscher befindende Höhle wird sich durch die Talbewegung (bis zu 30m pro Jahr bei alpinen Gletschern) zuerst plastisch verformen und dann auf Grund der Sprödigkeit des Eises Risse bekommen und evtl. in sich zusammenbrechen. Befindet sich eine Gletscherhöhle in einer Todeiszone ist mit keiner großen Bewegung durch die Gletschermasse zu rechnen.


Ein Teileinsturz der Eisdecke mit Brocken bis zu einer Tonne Gewicht . Hätte man bei einem Einsturz Ereignis hier gestanden wäre das wohl nicht zu überleben gewesen.

In der Tauphase hat man aber nicht nur mit einer größeren Einsturzgefahr zu kämpfen, sondern Schmelzwasser kann sich im Gletscher in großen subglazialen Hohlräumen sammeln, die sich spontan und ohne Vorwarnung entleeren können und ein  Höhlensystem kann so zur tödlichen Falle werden . Im Hochsommer ergießen sich ganze Sturzbäche aus dem Gletschertor, aus dem im Herbst vielleicht nur ein kleines Rinnsal plätscherte, was eine Begehung an sich unmöglich werden lässt. Auch deshalb ist es keine gute Idee eine Gletscherhöhle im Sommer zu erkunden.
Auch der Zustieg zu einer solchen Höhle kann weitere alpine Gefahren wie Lawinen, Steinschlag aus der Seitenmoräne oder Eisschlag aus einem sich evtl oberhalb befindlichen Eisbruchs, bergen. Besonders bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt ist besonders auf Stein- und Eisschlag zu achten.

 

AN ALLEM IST WIEDER EINMAL ISLAND „SCHULD“

Als ich vor wenigen Jahren zum ersten Mal das erwähnte Foto von einer Gletscherhöhle aus Island zu Gesicht bekam war es also um mich geschehen. Ich musste solch eine Höhle mit eigenen Augen sehen und wollte solch eine Höhle bei uns in den Alpen finden. Ich verschlang alles was ich in die Hände bekam, las ganze Doktorarbeiten angehenden Glaziologen über das Verhalten von Gletschern, suchte monatelang nach Bildern, Informationen über bestehende Gletscherhöhlen und studierte Karten und Satellitenbilder. Bald fand ich einige größere und kleinere Höhlen in den Alpen und Berichte darüber, stellte jedoch bald auch fest, dass die meisten Fotografen scheinbar wenig Ahnung hatten hinsichtlich der Gefahr in die sie sich begeben hatten. Ein Großteil der Fotografien wurde während einer Bergtour im Hochsommer in den unterschiedlichsten Höhlen, Spalten und Gletschertoren geschossen. Es ist immer wieder faszinierend wieviele „Ahnungslose“ in den Bergen herumspringen und man muss sich nur wundern, daß die Bergrettung nicht noch viel mehr zu tun hat. Auch die Kommentare der Fotografen in den sozialen Netzwerken unter ihren Bildern lassen einem teilweise die Haare zu Berge stehen. Da wird kühn behauptet, daß die Höhle auch im Sommer absolut sicher sei und man keine Angst haben müßte, ein Helm sei da ja wirklich nicht nötig.


360° Panorama im Herzen des Gletschers

In der nächsten Phase meiner Planung dem “Location Scouting” verschiedener Höhlen und Gletschertoren musste ich oft live feststellen, dass so mancher tatsächlich mehr Glück als Verstand zu haben scheint:
Bei einem kleinen Trip zum leider heftig abschmelzenden Morteratsch Gletscher stellte sich eine Mutter für ein „Familienfoto“ mit ihren beiden Kindern im Hochsommer direkt unter einen Eisüberhang am Gletschertor. Die Sonne schien schon seit mehreren Stunden direkt auf das Eis und die gewaltige Seitenmoräne darüber. Auch wenn man wenig Ahnung von Gletschern und Seitenmoränen hat, hätte man sich auf dem Weg zum Gletscher (zumindest wenn man Ohren und Augen hat) eindrücklich davon selbst überzeugen können, daß es keine gute Idee war an jenem Tag sich direkt unter eine heftig aktive Steinschlagzone zu begeben. Auf den letzten hundert Metern zum Gletscher pfiffen nur so die Steine heftig krachend und polternd die Seitenmoräne hinab und spickten den sandigen Boden direkt in nähe des Eises. Im Sekundentakt krachte und polterte es und Schwefelgeruch lag in der Luft. Unbeeindruckt der Geschosse die links und rechts in den Sand krachten marschierte die erwähnte Mutter mit ihren beiden Kindern an der Hand unter den Eisüberhang. Ich konnte nicht hinschauen während die Mutter mit ihren Kindern brav in die Handykamera grinste. Auf dem kurzen Rückweg zum Rucksack (der ebenfalls in der Einschlagszone lag) hätte dann den Jungen ein dicker Stein um ein Haar erwischt, der polternd die Eisflanke herunterkrachte und dumpf direkt neben ihm einschlug. Jetzt erst erkannte die Mutter wohl die Gefahr und rannte mit ihren Kindern an den Händen „um ihr Leben“ . Falls sich jetzt jemand fragt wieso ich die Mutter nicht vor der drohenden Gefahr gewarnt hatte, muss ich leider entgegnen, dass ich das mittlerer Weile aufgegeben habe. Entweder wird man blöd angemacht, daß man sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern soll,  oder komplett ignoriert.

In den Höhlen gibt es viel zu entdecken

In diesen Monaten hatten wir vielen interessanten Gletschern einen Besuch abgestattet und Gletschertore, Gletschermühlen, Spalten und kleine Höhlen inspiziert mit manchmal mehr und manchmal weniger Erfolg. So waren einige Höhlen bereits abgeschmolzen, verschoben oder gar eingestürzt doch wir gaben nicht auf und jede Tour ins Eis ließ unseren Hunger nach einer Gletscherhöhle größer werden .

Scouting kann unheimlich Spaß bereiten 🙂

Dann fanden wir Hinweise und Fotos einer gewaltigen Gletscherhöhle in den Alpen die nur Wochen vorher begangen worden war. Leider fanden wir diese nur wenige Tage zu spät denn ein heftiges Tief hatte für gewaltige Neuschneemassen gesorgt mit einer dramatisch ansteigenden Lawinengefahr. Ein Atlantisches Tief folgte dem anderen und eine sich anschließend anhaltenden markanten Tauphase hatte dafür gesorgt, dass wir keine Chance haben sollte die Wintersaison noch dafür nutzen zu können, diese Höhle zu besuchen bzw. vielleicht sogar zu fotografieren.

Auf einer Reise nach Island sollte der Wunsch nach der Begehung einer Gletscherhöhle dann endlich gestillt werden, doch als es dann soweit war, waren wir sogar ein wenig enttäuscht, denn was momentan auf Island passiert ist für meinen Geschmack schon etwas grenzwertig. Die Gletscherhöhlen werden total vermarktet und hunderte von Touristen werden in der Saison täglich auf und unter das Eis gekarrt. Mehrere Outdoorunternehmen bringen die Menschenmassen in Supertrucks zum Eingang der Gletscherhöhlen und mann muss teilweise in einer abstrusen Schlange anstehen um die Höhlen dann überhaupt betreten zu können. Wahrscheinlich hatten wir sogar etwas Pech denn eigentlich hatten wir eine andere, weniger bekannte Höhle besuchen wollen, doch unser Guide machte uns keine Hoffnung denn der Eingang war kurze Zeit zuvor von einer Lawine verschüttet worden. Die Alternative war dann leider die größte und bekannteste Gletscherhöhle am Ende der Saison, die scheinbar alle anderen Menschen auf der Insel auch sehen wollten. So kam man sich fast vor wie auf einer Besichtigungstour des Towers in London, als in einer „abgelegenen“ Gletscherhöhle eines isländischen Gletschers … zwischen den Menschenpulks konnten wir zwar das ein oder andere Foto machen doch ist so eine Massenveranstaltung einfach das pure Grauen für mich.

 Auf unserer Exkursion unter das Isländische Eis

 

Wieder zu Hause war der Hunger nach einer einsameren Gletscherhöhle in den Alpen um so größer geworden, und obwohl wir viele neue Höhlen in dieser Zeit „entdeckten“, behielten wir weiterhin die Bedingungen an „unserer“ Höhle aus dem Vorjahr im Auge. (Danke Christian Schipflinger für dein Engagement und deine online Recherche). Im Dezember 2016 war es dann endlich soweit, daß die Bedingungen grünes Licht signalisierten: beste Wetteraussichten und eisige Temperaturen für Wochen hatten eine Begehung relativ sicher werden lassen. Mit riesigen Rucksäcken inklusive Biwakausrüstung machten wir uns auf den Weg das magische Höhlensystem zu erkunden. Schon die Anreise zu einer solchen Höhle kann einfach nur faszinierend sein., aber was uns am Fuße des Gletscher erwarten sollte, übertraf all unsere Erwartungen und wir tauchten ein für einen Tag und eine Nacht in die zauberhafte Welt des Eises, und erkundeten den glitzernden und funkelnden „Bauch“ des Gletschers.

 

ABSCHLIESSENDE GEDANKEN:

Obwohl die Eishöhle mittlerer Weile „fast jedem Interessierten“ bekannt sein dürfte, geführte Touren dorthin angeboten werden und sogar ein Fotoworkshop abgehalten wurde, verzichte ich hier in diesem Bericht darauf die Eishöhle explizit zu nennen oder gar eine Wegbeschreibung zu geben. Mir ist klar dass man als Landschaftsfotograf mit seinen Bildern bei dem ein oder anderen den Wunsch erweckt, diese Stelle auch zu besuchen und selbst zu fotografieren. Als Landschaftsfotograf der sich für den Schutz und Erhalt der Natur auch für zukünftige Generationen einsetzt, geht man mit seiner Fotografie stets einen schmalen Grat: Man kann einerseits nur das Schützen was man kennt . Und nur wenn man den Menschen zeigt was es Schützenswertes gibt, werden viele erst erkennen, das es durchaus mehr zu tun gäbe als zu sagen „was soll ich als einzelner schon ausrichten“. Aber das Kennenlernen und Zeigen eines Naturjuwels führt andererseits wiederum dazu, dass viele Leute diese Stellen auch gerne besuchen wollen. Was viele Menschen an ein und der selben Stelle auslösen und verursachen können kann man eindrücklich überall auf der Welt beobachten und gewisse Regionen auf Island dienen hier wohl als negatives Paradebeispiel. Haben wir Landschaftsfotografen nicht auch eine Teilschuld daran mit unseren Bildern die „Begehrlichkeiten“ wecken, dass Island gerade überflutet wird? Alles wird niedergetrampelt, fragile Biokrusten mit dem Offroader planiert so dass diese irreparabel zerstört werden, Müll zurückgelassen … die Liste ist leider lang …


Begibt man sich in eine solche Gletscherhöhle sollte man sowohl die richtige Ausrüstung dabei haben als auch um die Gefahren wissen, die einem dort begegnen können.

Aber es gibt durchaus auch noch ein anderes Problem: als die Gletscherhöhle noch nicht so bekannt war, hatte ich nachdem ich die ersten Bilder gezeigt hatte, “tonnenweise” Anfragen erhalten wo die Höhle wäre und wie man dort hinkommt. Viele wollten die Höhle besuchen und mit eigenen Augen sehen und fotografieren. Was wäre schon dabei mag sich jetzt der eine oder andere fragen, doch vielleicht beantwortet die skurrilste Anfrage die ich dahingehend erhalten habe diese Frage zumindest teilweise. 
Ich hatte eine Sprachnachricht auf FB erhalten mit folgendem Innhalt: Ein Hochzeitsfotograf fand meine Bilder von der Höhle so beeindruckend, daß er gerne ein Brautpaar dort in der Eishöhle ablichten wollen würde …
Ich musste mich erst einmal setzten und diese Anfrage verdauen … hatte ich richtig gehört? Wie leider so oft geht es vielen überhaupt nicht darum die Wunder der Natur zu zeigen, sondern ein extravagantes Bild in einen immer noch extremeren Kontext zu stellen. Die egomanischen Selfies knapp bekleideter narzisstischer Teenager auf der Spitze irgendwelcher riesigen Wolkenkratzer über dem gähnenden Abgrund baumelnd sind wohl momentan die Spitze des „Eisbergs“ dieser Bewegung. 
Ich fragte mich ob der Hochzeitsfotograf das Brautpaar an ihrem „schönsten Tag im Leben“ wohl mit Helmen am Kopf und den Grödeln an den feinbeschuhte Füßchen in den Eishöhlen ablichten wollen würde … oder wollte er das Brautpaar und sein Equipment am Ende noch mit dem Helikopter einfliegen lassen um dort die extravaganten Bilder aufzunehmen? Ich konnte mir nicht vorstellen dass ein durchschnittliches Brautpaar dazu bereit gewesen wäre den weiten Weg bis zur Höhle den Anzug und das Hochzeitskleid zu schleppen. Ein Brautpaar welches jedoch den alpinen Gefahren dorthin gewachsen gewesen wäre, wäre durchaus auch selbst in der Lage gewesen eine derartige Gletscherhöhle zu finden für ihre ausgefallenen Hochzeitsfotos.

Die Gefahren in einer Gletscherhöhle können minimiert werden, doch ein Restrisiko wird immer bleiben

Die Berge sind kein Spielplatz und eine Gletscherhöhle schon dreimal nicht. Das grundlegende Wissen um die alpinen Gefahren, das Können diese einzuschätzen und die Bereitschaft das unbestreitbare Restrisiko zu akzeptieren sind für mich grundlegende Vorraussetzungen in die Berge zu gehen bzw. eine solche Gletscherhöhle auf eigene Faust zu besuchen. In unserer heutigen Sicherheits-Gesellschaft in der die Eigenverantwortung und das eigenständige Denken nur allzu gerne an andere abgegeben wird, haben viele verlernt Gefahren selbst zu beurteilen und z.B. die Nähe zu einer Berghütte, Liftstation oder die bloße Anwesenheit andere Menschen führt oft dazu, dass ein „Unwissender“ sich in gefährlicher „Sicherheit“ wiegt. Die wenigsten wollen heute mehr Zeit aufwenden etwas von Grund auf zu erlernen, heute möchte man lieber konsumieren, erleben, schnelle Erfolge … aber natürlich ohne Gefahren und Eigenverantwortung und wenn doch einmal etwas passiert sind natürlich auch immer die anderen Schuld … wie hätte man auch wissen können, daß einem in einer Gletscherhöhle ein Eisbrocken auf den Kopf fallen kann, wenn man nicht vorher gewarnt worden ist, schließlich stehen da keine riesigen Warnschilder vor den Eingängen der Gletscherhöhle (wie z.B. aktuell am Fuße der gewaltigen Altschneehöhle in der Watzmann Nordwand) . Wie zum Geier kann es überhaupt nötig werden, daß man derartige Warnschilder aufstellen muss ??? Die Natur muss oft vor uns „Menschen“ geschützt werden aber manchmal muss man scheinbar auch den Menschen vor sich selbst schützen!
Sollte uns das allen nicht ein wenig zu denken geben, und uns motivieren das Gehirn einzuschalten und die Berge mehr als das zu sehen was sie eigentlich sind: Sie sind schützenswerte „wilde Natur“ der man Respekt entgegenbringen sollte und nicht nur bloßes „Sport- und Vergnügungsgerät“. Egal wie gesichert und verdrahtet, mit Skiliften und Gondeln gespickt mit Flying Fox, „Halli Galli“ und Hüttengaudi garniert sie auch erscheinen mögen und dadurch Sicherheit suggerieren, setzt man nur einen Schritt ausserhalb befindet man sich mitten in dieser „wilden Natur“ ohne „Geschmacksverstärker“. Hier kann man Erholung, Fitness, Abenteuer und eine wunderschöne und überwältigende Natur entdecken, man sollte nur bereit sein eigenverantwortlich unterwegs zu sein und das Terrain entsprechend seinem Können und Fähigkeiten wählen, um nicht sich und andere in Gefahr zu bringen (die einem dann vielleicht aus einer Gefahrensituation retten müssen)

Einer meiner Lieblingszitate von Reinhold Messner:

„In dem Moment, in dem ich Alpinismus betreibe, bin ich für alle meine Aktionen selbst verantwortlich, der Tourist macht für alles andere verantwortlich.…“

 

HIER KANN MAN ALLE BILDER UNSERER TOUR BETRACHTEN:

 

One thought on “NEVER STOP EXPLORING”

  1. Super Bilder Nicholas und sehr gut geschriebener Text! Ich teile deine Meinung voll und ganz! Wurde übrigens auch schon mehrfach unangenehm angeredet, weil ich Locations kaum noch preisgebe. Dabei geht es ja nicht darum, anderen keine Bilder zu ermöglichen…Wer sucht, der findet! Sondern wie du schon schreibst, es geht um den Schutz der Natur und teils auch um Rücksicht auf Tiere, Pflanzen und Anwohner (platt getrampelte bauernfelder z.b. in Gerold sind ein gutes Beispiel). Liebe Grüße und weiter so! Sebastian

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