SCHNEESCHUHTOUR AUF DEN STRUDELKOPF

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Eine ziemlich lawinensichere und landschaftlich reizvolle Schneeschuhtour kann man inmitten der Dolomiten im Herzen Südtirols unternehmen. Vom Parkplatz Plätzwiesen kann man in ca. 2 Stunden dem Strudelkopf auf des zahme Dach steigen und dabei vom ersten bis zum letzten Schritt ein Dolomitenpanorama der Extraklasse genießen. Diese Tour ist eine wahre Genußtour für den Schneeschuhläufer. Bei geeigneter Spurwahl wird man sich hier kaum einer Lawinengefahr aussetzen und somit ist diese Tour auch bei einer allgemein kritischen Lawinensituation gut machbar.

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Traumhafte Verhältnisse beim Aufstieg zum Strudelkopf

Wenn man nicht in einem der 3 Unterkunftsmöglichkeiten auf der Plätzwiese zur Übernachtung untergebracht ist, kann man nur vor 10.00 Uhr mit dem eigene Auto auf die Plätzwiese zum großen Wanderparkplatz fahren. Danach muss man den regelmäßig verkehrenden Shuttlebus nehmen, denn die Straße ist von Weihnachten bis Ostern von 10.00-16.00 für den öffentlichen Verkehr gesperrt und nur als Gast der Unterkünfte kann man mit einer Sondergenehmigung (in der Buchungsbestätigung) den ganzen Tag anreisen. Die Straße auf die Plätzwiese ist meist geräumt und gestreut, jedoch sind Winterreifen zwingend nötig bzw. Schneeketten u.U. ein nützliches Backup, falls einiges an Neuschnee fällt.

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Perfektes Fotolicht bereits vor Sonnenuntergang

Meine Empfehlung: Eine Übernachtung im Hotel Hohe Gaisl (HP oder nur Frühstück) ist ein absolutes Sahnestückerl. Da auf der Plätzwiese keinerlei Skibetrieb zu finden ist und nur ein paar wenige Langlaufloipen gespurt sind, ist es im Winter hier am Abend herrlich ruhig, wenn die Tagesgäste verschwunden sind. Ein Traum für jeden Nachtfotografen und für jeden der die Ruhe in den Bergen liebt und mit „Apreski“ nichts anzufangen weiß. Bei lawinensicheren Verhältnissen kann man hier auch durchaus das Hotel als Stützpunkt für unterschiedliche Schneeschuhtouren verwenden. Eine Besteigung des Helltaler Schlechten oder für den Experten bei sicheren Verhältnissen den Dürrenstein, sind wirklich lohnende Ziele.

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Der heftige Sturm sorgte für sich schnell wechselnde Bedingungen

Wir hatten uns im Hotel Hohe Gaisl eingemietet und nach dem Check-in direkt auf den Weg gemacht. Die Tour auf den Strudelkopf ist meist gut gespurt und hier findet man wirklich fast nur Schneeschuhläufer, wohingegen die Skitourengeher eher dem Helltaler Schlechten oder Dürrenstein entgegensteigen.

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Dolomitengipfel im letzten Tageslicht

Direkt hinter dem kleinen Hotelparkplatz der Hohen Gaisl geht die Spur dem Strudelkopf entgegen. Beim ersten Wegweiser Richtung Dürrenstein hält man sich rechts und stapft in einem tief verschneiten Winterwonderland fast parallel oberhalb des geräumten Fahrweges der Plätzwiese entlang. Hier eröffnen sich bereits die ersten Traumausblicke auf die gewaltige Hohe Gaisl und das Cristallo Massiv. Nach ca. 45 Minuten stößt man auf den Aufstiegsweg von der Dürrensteinhütte und man hält sich weiterhin Richtung Südost leicht bergan. Ein kleiner Taleinschnitt wird gekreuzt dann geht es etwas steiler bergan, man umrundet den sanften Grat zum Helltaler Schlechten und sieht hier zum ersten Mal die Ruine aus dem 1. Weltkrieg. An der Ruine nach links bergauf den letzten Aufschwung bis zum geräumigen Gipfelplateau mit Gipfelkreuz und einem gigantischen Ausblick auf den 12er Kogel, 3 Zinnen, Cristallo und Co.

Nach der langen schneefreien Periode in Südtirol hatte es die Tage zuvor Gott sei Dank endlich einiges an Neuschnee gegeben. Jedoch war es wegen polarer Kaltluft und heftigen Winden und Böen von Spitzengeschwindigkeiten bis 100km/h bitterkalt. In den windgeschützten Teilen des Aufstiegs fühlten sich die -18° C gar nicht so extrem an, hatten wir uns sehr gut eingepackt und mit Sturmhauben geschützt. Jedoch erreichten wir sehr schnell das windexponierte Plateau und mussten uns dann gegen den Wind nach oben kämpfen. Ich kann mich nicht erinnern schon jemals im Alpenraum bei so gefühlt kalten Temperaturen fotografiert zu haben: Das Kabel der Fernauslösung war binnen Minuten steifgefroren, fast so wie unsere Finger. Ein kurzes Wechseln zwischen Fäustling und Fingerhandschuhen zum Einstellen der Kamera war nur für wenige Sekunden erträglich. Die Feuchtigkeit der Ausatemluft gefror in wenigen Augenblicken an der Sturmhaube und die Akkus, die wir nicht am Körper trugen waren schlichtweg umbrauchbar. Während des Sonnenuntergangs fiel mir auf, daß ich mein linkes Auge nicht mehr ganz schließen konnte wenn ich mit dem rechten durch den Sucher blicken wollte. Die Muskulatur war sprichwörtlich eingefroren und so betäubt dass die Muskeln nicht mehr gehorchen wollten. Spätestens jetzt war klar daß es Zeit für den Abstieg war.

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Durch den Sturm waren fast alle Spuren unseres Aufstiegs wieder verweht

Der Sturm hatte die 2 Stunden in denen wir am Gipfel fotografierten so gewütet, daß unsere Aufstiegsspuren komplett mit Triebschnee verweht waren. Im windgeschützten Teil des Abstiegs taute mein Gesicht relativ schnell wieder kribbelnd auf, doch zu Hause stellte sich heraus, daß etwas mit meiner Nasenspitze nicht stimmte. Ein taubes Gefühl war gepaart von einer knallroten Farbe. Mit der Nase sah ich aus wie Rudolf the Rednose Raindeer. Das Kribbeln ließ auch die nächsten Tage nicht nach und die Farbe veränderte sich zu blauviolett, was mir einiges an Sorgen bereitete. Der Doktor konnte mich jedoch beruhigen und mir versichern, daß es sich Gott sei Dank nur um eine oberflächliche Erfrierung 1. Grades handelte, welche  komplett reversibel ist. So hatte ich keine bleibende Schäden zu befürchten und großes Glück im Unglück.

Ich habe bei windstillen Verhältnisse schon bei -30 ° C im arktischen Finnland die ganze Nacht ohne Probleme fotografiert, jedoch sollte man den starken Wind bei tiefen Temperaturen nicht unterschätzen. Die feuchte Gesichtsmaske gefror und lag lange Zeit auf der Nasenspitze auf. Durch die eisige Kälte spürte ich das jedoch nicht wirklich, was zu den oberflächlichen Erfrierungen geführt hatte. Trägt man eine Gesichtsmaske sollte man bei diesen Temperaturen das Gesicht gut mit einer dicken Fettcreme einschmieren, um solchen „Gefrierbrand“ zu vermeiden.

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Im Abstieg ließ der heftige Sturm endlich nach 

Ein Anfängerfehler vor dem ein langjähriger, erfahrener Bergsteiger wie ich auch nicht immer gefeit ist. Zu schnell ist man dabei die Situation auf einfachen Touren in den Bergen zu unterschätzen.
Eine gute Woche später ist die Nase wieder in Ordnung jedoch werde ich in Zukunft immer eine Fettcreme im Rucksack auf meinem Wintertouren mitnehmen, auch wenn es nur ein Halbtagstour sein sollte.

DIE SCHÖNSTEN BILDER DER TOUR:

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