SONNENAUFGANG AM RIETZER GRIESKOGEL

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Der Rietzer Grieskogel (2884m) gehört für mich zweifelsohne zu den schönsten Aussichtsgipfeln meiner Hausberge um das Mieminger Plateau herum. Seine grandiose Aussicht auf Inntal, Wetterstein, Karwendel, Stubai, Ötztal und noch viel weiter hat er seiner recht isolierten Stellung zu verdanken. Ringsherum überragt er die umliegenden Gipfel um einiges an Höhe, so daß der Fernblick durch nichts gestört wird.

Wir haben den Rietzer Grieskogel von seiner Südseite dem Kühtai aus weit vor Sonnenaufgang bestiegen, um pünktlich auf dem Gipfel zu sein wenn der neue Tag anbricht. Der Rietzer Grieskogel ist ein lohnendes Ziel für jede Jahreszeit (z.B. Alpenrosenblüte im Frühsommer) und ein recht zahmer Berg, der jedoch nicht unterschätzt werden sollte, hat man doch einen fast 3 stündigen Aufstieg vor sich (1015 hm, 5km). Der Gipfelgrat ist an einigen Stellen etwas ausgesetzt und man klettert im leichten Blockgelände, jedoch stellt dieser für den schwindelfreien, trittsicheren Bergsteiger bei guten Verhältnissen (eisfrei, trocken) keine Schwierigkeit dar. Die Hauptschwierigkeit war für uns (wie so oft) den inneren Schweinehund zu überwinden und den Wecker nicht in die Ecke zu pfeffern, der um 2.30 Uhr morgens gnadenlos sein „Pieps-Konzert“ zum Besten gab. Nicht minder schwierig war es den Körper, der auf Tiefschlaf eingestellt war, zu überzeugen, daß er nun Steigarbeit über 1000 hm zu leisten hätte. Der Berg ist im Sommer Gott sei Dank kein Modeberg (im Winter jedoch sehr beliebte Skitour) und wir sind dort in den Sommer- und Herbstmonaten noch nie mehr als einer Handvoll anderen Bergsteigern begegnet, aber gerade durch die wenigen Besteigungen ist die Wegfindung in der Nacht an manchen Stellen nicht ganz einfach, führt oftmals nur ein schmaler kaum sichtbarer Pfad nach oben, der an vielen Stellen von den im Sommer dort grasenden Kühen komplett „umgegraben“ war. Nach 2 Stunden waren wir im Sattel vor dem letzten Gipfelgrat angelangt.

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Im Tal herrscht noch die Nacht

Das Tal lag noch komplett in Dunkelheit während sich am östlichen Horizont bereits feuerrot der neue Tag ankündigte. Unsere Stirnlampen erleuchteten den an manchen Stellen schmalen letzten Aufschwung zum Gipfel, dessen markantes Kreuz schon durch die Morgenröte zu leuchten schien. Ein eisiger Wind empfing uns auf dem schmalen Gipfel dessen Ausblick so früh am Tage uns wirklich sprachlos machte. Die Fensterscheiben des Münchner Hauses auf der Zugspitze reflektierten bereits die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne während im Tal noch die Straßenlichter der Dunkelheit trotzten.

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Zugspitze mit Münchner Haus

Ein wunderschönes Morgenrot erschien im Nordosten, das sich weit in das bayerischen Alpenenvorland zog während der noch immer fast volle Mond im Westen noch hoch über einem pink-violetten Venusband stand. Im Süden wurden die Gletscherriesen durch das Zwielicht in ein warmes Licht getaucht. Beinahe hätte ich vergessen zu fotografieren vor lauter Staunen.

Blue Hour

Blaue Stunde auf dem Rietzer Grieskogel

Als die Sonne dann mir ihren ersten Strahlen über den Horizont blitzte, den Gipfel berührte und damit die blaue Stunde vor Sonnenaufgang beendete, änderte sich die Stimmung schlagartig. Der Gipfel und seine Grate wurden nach und nach in goldenes Licht getaucht während sich im Westen ein dominanter Schatten des Berges im Morgendunst abzeichnete. Die goldene Stunde brach an.

Golden Hour

Goldene Stunde auf den Rietzer Grieskogel

So genossen wir noch ganz alleine weitere 2 Stunden das Schauspiel bis weit in den frühen Vormittag, bei einem ausgiebigen Frühstück, bevor wir uns wieder an den Abstieg machten. Auf dem gesamten Abstieg begegnete uns nur eine einzige aufsteigende Bergsteigerin an diesem immer noch sonnigen Herbsttag.

 

 

 

 

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