STERNENSUCHER

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Was könnte es Schöneres geben für einen “Sternensucher” wie mich, als meinen Geburtstag draußen in der Nacht zu verbringen? Meine Frau und ich packten deshalb unsere Rucksäcke und wanderten auf das Petersköpfl im Zillertal, um in meinen Geburtstag hineinzufeiern.
Das Petersköpfl ist in einer halben Stunde vom idyllisch gelegenen Friesenberghaus leicht zu erreichen. Eine kleine Steilstelle zum letzten Gipfelanstieg verlangt ein wenig “Handanlegen” an den Fels, ist aber für den trittsicheren Wanderer kein Problem.

1-Aufstieg 

Aufstieg zum Freisenberghaus

Das Friesenberghaus (2496m) selbst kann man in gut 2-2,5 Stunden vom Parkplatz des Schlegeisspeichers (ab 18.00 Uhr mautfrei !) über einen wunderschönen, aber recht anstrengenden Steig, erreichen. Die unglaublich aussichtsreiche Lage der Alpenvereins-Schutzhütte mit Blick über die höchsten Dreitausender des Zillertals, und die idyllische Lage an dem türkisfarbenen Bergsee entschädigte aber sofort für alle Mühen.

2-Sonnenuntergang am Friesen 

Das letzte Licht des Tages …

Wir stiegen noch recht spät (after work) auf, da das Wetter in meiner Geburtstagsnacht einen klaren Nachthimmel, bei besten Verhältnissen versprach.
Das perfekte “Sternenwetter” ist leider im westlichen Teil Österreichs sehr selten anzutreffen und so muss man als Sternenfotograf die Gelegenheit beim Schopf packen.
Im letzten Licht des Tages erreichten wir das Friesenberghaus und bezogen mit unseren beiden Hunden unser Zimmer.
Nach einer kurzen Stärkung im Gastraum mit extrem sympathischen und lieben Hüttenwirtsleuten machten wir uns schon wenig später an den restlichen Anstieg zum Petersköpfl.

8-Last Man Standing 

Panorama am Petersköpfl

Im Schein unserer Stirnlampen stapften wir durch den knirschenden Firn eines Schneefeldes zum Steilaufschwung, bei dem in der Nacht mit einem schweren Rucksack voller Kameraequipment kurz noch etwas Konzentration gefordert war. Nach dem Aufschwung noch ein weiteres kleines Firnfeld und dann sah man schon das Meer aus Steinmännern, für das das Petersköpfl so berühmt ist. Hunderte von Bergsteiger haben sich hier auf ihrer Gipfelrast mit dem Bau von den skurrilsten Steinmännern verewigen wollen, so daß das Gipfelplateau einem Feld voller Steingräber gleicht und man sich unweigerlich in die Saga von “Der Herr Der Ringe” versetzt fühlt.

7-is there anybody out there 

Is there anybody out there?

Pünktlich zum Ende der astronomischen Dämmerung standen wir staunend in diesem skurrilen und fast schon mystisch wirkenden Steinfeld und die Milchstraße war bereits mit bloßem Auge sichtbar. Auf 2600m Seehöhe hat man den Dunst und Smog des Tales weit hinter sich gelassen, so daß die Sterne in einer klaren Nacht dadurch noch deutlicher und heller zu sehen sind, als man es von Tal gewohnt ist. Ebenso störte auf dem dunklen Petersköpfl nur das weit entfernte Kunstlicht aus den Ebenen Italiens, jenseits des Alpenhauptkamms.
Pünktlich um Mitternacht zückte meine Frau den Prosecco aus dem Rucksack, den sie den ganzen Weg heraufgeschleppt hatte, und wir stießen auf meinen Geburtstag an. Was könnte man sich mehr wünschen für den Start in einen Geburtstag!
Nach 2,5 Stunden voll des Staunens und Fotografierens machten wir uns an den Abstieg zur Hütte um wenigsten noch ein paar wenige Stunden Schlaf abzubekommen.

12-Rücken des Rifflers

Unterwegs am Hohen Riffler

Den Sonnenaufgang haben wir natürlich verschlafen, aber das Ziel war ja heute der Hohe Riffler 3200m, so daß wir alsbald nach einem ausgiebigen Frühstück uns an den Gipfelanstieg machten. Für die 750 Hm waren 2.5 Stunden veranschlagt und der Hüttenwirt sprach gar von 3 – 5 Stunden (so sagte uns eine Gruppe Bergsteiger, die ebenfalls im Anstieg waren) auf Grund der immer noch schlechten Verhältnisse. Der Aufstieg entpuppte sich dann auch als Aufstiegsschinder. Sehr viel Neuschnee der letzten Tage hatte schmelzenden Firn erneut überdeckt, so daß der Aufstieg über die groben Blöcke zu Qual wurde: zwei Schritte und dann das Einbrechen bis zum Knie oder Hüfte, teilweise auch in tiefe Spalten zwischen den mannsgroßen Felsblöcken, die durch die wenige Schneeauflage von außen nicht sichtbar waren. Der Schnee nahm mit der Steilheit zum Gipfelrücken zu und schmolz jetzt in der Sonne, was in der Mischung mit dem losen Gestein darunter den „Weg“ zur unangenehmen Rutschpartie werden ließ …
Steigend, springend, spreizend, stapfend kämpften wir uns den Rücken empor bis ich eine Blutspur im Schnee vor mir entdeckte! Das Blut stammte von der Hinterpfote unserer Hündin, die sich einen Cut zwischen den Zehen, an den scharfkantigen und rauen Felsenkanten, geholt hatte.
Der noch letzte Aufschwung über den Grat sah nicht gerade einladend aus und die Wunde an der Pfote musste gereinigt werden. Also warteten wir die natürliche Blutstillung ab und gönnten uns eine kleine Brotzeit.

14-Fruesenberghaus

Kleiner Motivationsschub kurz vor der Hütte: Nur noch 5 Minuten 😉

Danach beschlossen wir ins Tal abzusteigen, um die Pfote alsbald zu versorgen. Unsere Hündin ist ja hart im Nehmen und ließ sich deshalb nicht beirren mit der Pfote nicht im schlimmsten Schlamm herumzuspringen.
Auf dem Abstieg begegneten wir noch zwei befreundeten Fotografen, die wir eigentlich auf der Hütte für eine „Foto-Shootout“ treffen wollten. Torsten Mühlbacher und Christian Schimpflinger stiegen weiter auf, während wir die letzten Meter zum Parkplatz stolperten. Der Abstieg hatte dabei annähernd genauso lang gedauert wie der Aufstieg, auf Grund des beschwerlichen Geländes.

Torsten und Christian konnten jedenfalls an den beiden folgenden Tagen trotz der schlechten Wetterprognose noch tolle Stimmungen im und um das Friesenberghaus einfangen, während wir den Schnitt an der Pfote unserer Hündin gut versorgt hatten. Gott sei Dank ist diese Verletzung recht schnell und problemlos abgeheilt.

 

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