UNTERWEGS MIT DER SONY A7S

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Ich hatte das große Glück mit einem Sony Filmteam aus Großbritannien 3 Tage zu verbringen, um ein Promotionsvideo für die brandneue Sony A7S zu drehen. Auf Grund meiner Platzierung unter den 10 besten der Sparte Lowlight im Sony World Photography Award 2014, war ich von Sony für diesen Job ausgewählt worden. Der Plan war mit dieser Kamera auf die Jagd nach der Milchstraße zu gehen, um die Lowlight Fähigkeiten der Kamera zu testen. Dafür fuhren wir auf den Venet um dort oben, während des wechselhaften Wetters, die vorhergesagte Wolkenlücke in der Nacht für unsere Zwecke zu nutzen.

Da ich hier auf meinem Blog normaler Weise keine Hardware Reviews mache, soll das auch weiterhin so bleiben. Hochtechnische Kameratests mit Pixelzählen und Rauschvergleich der einzelnen Iso Stufen werdet ihr hier nicht finden. Es handelt sich bei dem nachfolgendem Text mehr um einen Erlebnisbericht und eine praktische erste Einschätzung der Kamera für ihre Brauchbarkeit im extremen Lowlight Bereich für die Landschafts-Astrofotografie. Ich stütze mich hierbei ausschließlich auf meine persönlichen Erfahrungen und visuellen Ergebnisse, die die Kamera im Vergleich zu den Vollformatkameras, die ich für diesen Einsatzzweck im Gebrauch habe, liefert. Wer also Messwerte und Vergleichscharts sucht, möge dies bitte auf den mannigfaltigen, einschlägigen wunderbaren Testseiten tun. Ebenso sollte ich erwähnen, daß es sich bei der Kamera um ein Vorserienmodell handelte und somit keine endgültigen Aussagen über die finalen Verkaufsmodelle getroffen werden können.

Das erste Treffen in Innsbruck mit dem dreiköpfigen Sony Team verlief ganz vielversprechend: Chris Howard Regisseur aus Bristol, Hitesh Makan Kameramann und Becky Zak die offizielle Sony Vertreterin aus dem Headquarter in London. Gott sei Dank alles ziemlich lockere Typen, die schon für BBC Dokumentationen gedreht hatten. Kurz gingen wir die anstehende Planung für die nächsten Tage durch und sie erklärten mir was sie von mir genau erwarteten.
Für den Abend hatten wir geplant die Hungerburg Bergstation der Zahnradbahn, über den Dächern von Innsbruck, anzufahren, um mit der Sony A7S erste Lowlight Aufnahmen einzufangen, und zwar aus der Hand ohne Stativ. Leider hatte ich auf Grund der knappen Zeit nicht mehr rechtzeitig ein Modell der A7S vorab erhalten können und so musste ich die wichtigsten Funktionen in einem 5 minütigen Chrashkurs erlernen.

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Shooting über den Dächern von Innsbruck

Die sehr kompakte, spiegellose Sony A7s hat einen unglaublichen Iso Bereich bis 409.600 und somit kann man mit dieser Kamera die Nacht buchstäblich zum Tag machen, wobei jedem ambitionierten Fotografen klar sein sollte, daß der Isobereichen von über 400.000 nur mehr zur bloßen Dokumentation geeignet sein kann und ein Rauschen generiert, daß der alte Röhrenmonitor von Oma auf dem Dachboden nach Sendeschluss vor Neid erblassen würde. Das gegenseitige Überbieten der Hersteller mit immer höheren Iso Empfindlichkeiten ist zumindest momentan als ein ähnliche Marketinggag zu werten, wie der Wettstreit, wer die meisten Megapixel auf winzig kleinen Sensoren pressen kann. Für meinen Geschmack täten die Hersteller besser daran, gängige und wirklich brauchbare Isostufen im Rauschverhalten zu verbessern, als die reine hypothetisch mögliche Zahl immer weiter nach oben zu vergrößern.

Nach den vielen „Vorschußlorbeeren” diverser Vorabtests der nur 12.2 MP starken Vollformatkamera, war ich jetzt doch schon sehr auf die wirkliche Performance des “Lichtriesen” im Zwergenkostüm gespannt. Nur 12.2 MP auf einem Vollformatsensor gepackt, bedeutet mächtig viel Platz für jeden einzelnen Pixel zum Lichtsammeln, was auf ein vielversprechend gutes Rauschverhalten hoffen lies.
Die Kamera liegt gut in der Hand und ist im Vergleich zu den großen DSLR Bodies, mit denen ich normaler Weise unterwegs bin, deutlich kleiner und leichter (480g), aber deshalb auch für Fotografen mit großen Händen etwas fummeliger zu bedienen. Die Tastenbelegung und Wahlräder für Programme und Belichtungszeitkorrektur sind übersichtlich und intuitiv angelegt bis auf die Zoomtaste die besser in die Nähe der Play Taste gelegt worden wäre. In vollkommener Dunkelheit stochert man da ziemlich hilflos neben dem Viewfinder herum, um diese Taste zu finden, die auch noch in einer kleinen Mulde versteckt ist. Mit Handschuhen (seien sie auch noch so dünn) sind die wenig erhabenen und kleinen Tasten nicht zu bedienen. Der erste Eindruck des Magnesiumgehäuses, das mit einer teilweisen wetterdichten Versiegelung aufwarten kann, ist recht wertig, was man aber an Hand des hohen Preises von so einer Kamera auch erwarten dürfte. Der nur nach oben und unten schwenkbare 3 Zoll Oled Bildschirm als auch 0,5 Zoll Viewfinder liefert ein extrem klares Bild und Dank des automatisch umschaltenden Viewfinder, wenn man die Kamera an das Auge hält, ist die spiegellose Kamera auch in heller Umgebung gut zu bedienen, was jedoch den Starscape Fotografen weniger interessieren dürfte. Die systeminterne FE Objektivauswahl für das E Bajonett der Sony A7S fällt momentan noch recht schmal aus und dürfte den Astrofotografen wenig interessieren, doch mit Hilfe eines Adapters kann man alle Objektive mit dem Sony A Bajonett verwenden. Drittfirmen (z.B. Metabone) bieten auch Adapter für viele weitere Hersteller wie Canon oder Nikon, Voigtländer … an, so daß die Sony A7S auch als Zweitbody für Fotografen mit einer Konkurenzausstattung interessant sein könnte. Bei unserem Shooting verwendete ich das Sony 16-35mm f2.8 mit einem Sony Adapter. Die Stativbefestigung unter dem Kamerabody ist bei angelegtem Adapter nicht mehr verwendbar, so daß man die Stativplatte nun unter dem Adapter in dem vorgesehenen Gewinde anbringen muss, was auch zu einer deutlichen besseren Balance der Objektiv Kamera Kombination auf dem Stativ, gerade mit einem schweren Objektiv wie das 16-35mm, führt. Die Kamera bietet eine üppige Austattung von Funktionen an, die in dem weitverzweigten Menü versteckt sind, ich werde aber auf diese Punkte nicht weiter eingehen, denn hier möchte ich wie bereits erwähnt, nur die harten Fakten für die Lowlight Fotografie behandeln. Erwähnenswert ist allerdings noch die Full HD Videofunktion, die durch die vielversprechenden Isogeschwindigkeiten für Lowlight Videographen durchaus interessant sein könnte, als auch erstmalig die Möglichkeit in 4K aufzunehmen, hierbei benötigt man jedoch einen externen 4K Rekorder.

Sony bietet eine eigene kabelgebundene Lösung, als auch eine App an (Koppelung über internes WLAN) mit der die Kamera ohne Verwacklung (fern)ausgelöst werden kann, und mit der SONY PlayMemories App sind nun auch erstmalig Zeitraffer Intervallaufnahmen möglich.

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Die Serles in der blauen Stunde

Nach dem Sonnenuntergang nahm ich an der Hungerburgbergstation die ersten Bilder über den Dächern von Innsbruck auf. Der zum Vorgängermodell (Sony A7R) scheinbar verbesserte Kontrastautofokus (keine Phase Detection wie bei der Sony A7) fokussierte schnell und zuverlässig, bei dem nun rasch schwindenden Licht und eine am Vorgängermodell oft bemängelte, langdauernde Auslöseverzögerung, ist nun nach offensichtlicher Nachbesserung, zumindest bei ruhenden Motiven, nicht mehr wahrnehmbar. Schnell waren ISO Bereiche bis 25.600 erreicht, die sich zumindest auf dem Display noch recht ansehnlich hinsichtlich des Rauschens zeigten. Eine Stunde vor dem Ende der astronomischen Dämmerung (dann beginnt die Nacht) konnte der Autofokus zumindest auf die Lichter der Stadt gerade noch fokussieren, wenn auch deutlich verlangsamt. In den Schattenbereichen fand der Autofokus allerdings nicht mehr genügend Kontrast zur Scharfstellung.
Wir ließen es also gut sein für den Abend und wollten uns alle am nächsten Nachmittag auf der Gipfelstation des Venet wiedersehen.

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Es reisst langsam auf

Am nächsten Tag zogen immer wieder heftige Regenschauer durch das Inntal und es sah erst einmal nicht gerade gut für unser Vorhaben aus und auch die Dame an der Talstion konnte unsere Zweifel nicht gerade zerstreuen, als sie meinte, daß wir heute Nacht nicht einen EINZIGEN Stern sehen werden (bei heftigem Lachen 😉 ). Die hervorragende Wetterprognose von ZAMG , bei der 3 Mal täglich das zukünftige Wettergeschehen in der Animation aktualisiert wird, versprach jedoch ein Aufklaren von Westen pünktlich zum Sonnenuntergang, mit sternenklaren Verhältnissen um Mitternacht.

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Gigantische Abendstimmung am Venet

Als wir im Panoramarestaurant zum Abendessen saßen, graupelte es derart, daß man rein gar nichts mehr erkennen konnte, was weiter als 10 Meter von der Panoramaverglasung entfernt war. ZAMG versprach jedoch weiterhin beharrlich eine Wetterbesserung, die 1 Stunde später auch wirklich eintraf. Sofort schnappten wir uns das gesamte Equipment und bauten an einem unweit entfernten Aussichtspunkt alles auf. Jetzt hieß es eine kleine Geschichte um das Ganze, mittels diverser Aufnahmen zu entwerfen und mit der Kamera einzufangen. Immer wieder musste ich im schönsten Abendlicht durchs Bild stapfen, in die Ferne schauen oder meinen Text aufsagen. Dann sollte ich am besten Spot mein Stativ und die Kamera aufbauen, erläutern wie ich in so einem Fall vorgehe und die Kamera und deren Vorzügen für die Nachtfotografie erklären. Manche Takes mussten bis zu 20 Mal aufgenommen werden, da entweder ein Hund bellte, andere Gäste im Hintergrund durchs Bild liefen, die Kamera nicht fokussierte oder ich im Text steckenblieb … nach anstrengenden 6 Stunden Dreh war alles im Kasten. Jetzt endlich konnte ich mich bei besten Verhältnissen um die Starscape Fotografie kümmern, denn die Milchstraße stand nun perfekt, bei sternenklaren Verhältnissen, während sich ein beleuchteter Talnebel gebildet hatte. Ich versuchte alle für die Starscape Fotografie brauchbaren ISO Stufen von 3200 aufwärts und bewegte mich immer weiter hinauf in astronomische Bereiche von weit über ISO 100.000.

Todmüde fiel ich in das Bett meines wunderschönen Zimmers der Venet Gipfelhütte, die schon eher an ein Hotel, als eine Berghütte erinnert und häufig als willkommene Erholungsoase des geplagten Bergwanderers auf dem Adler Weitwanderweg gerne genutzt wird.
Am nächsten Morgen wurde ich dann nochmals bei bestem Wetter vor einer traumhaften Kulisse interviewt bevor der Dreh endgültig zu Ende war und wir uns verabschiedeten. Das Sony Team musste an diesem Tag gleich wieder von Innsbruck aus nach London abreisen.
Und ich war schon mordsmäßig auf die Ergebnisse der letzten Nacht gespannt.

 

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Aufnahmen bei ISO 12.800 (Nik Define selektiv entrauscht)

 

ERSTES HANDS ON FAZIT:

Nach der finalen Bearbeitung und der Handhabung der Kamera in dieser Nacht kann ich nun folgendes erstes Hands-on Fazit des verwendeten Vorserienmodells (!), hinsichtlich der Brauchbarkeit dieser Kamera für die Starscape Fotografie, abgeben:

Die Sony A7S ist eine sehr handliche und kleine spiegellose Vollformatkamera, bei der ich mir eine komplett wetterfeste Versiegelung gewünscht hätte (häufig ist man als Starscape Fotograf der Witterung bei schlechtesten Verhältnissen ausgesetzt), die aber über diverse Adapter mit vielen Objektiven anderer großer Objektivhersteller kompatibel ist und somit perfekt als Zweitbody des Astrofotografen genutzt werden kann.
Als ausschließlicher Erstbody käme die Sony A7S für mich persönlich jedoch schon alleine auf Grund der mageren 12.2 Megapixel nicht in Frage, da ich sehr gerne auch großformatig meine Bilder präsentieren möchte.
Die Kamera ist zwar intuitiv zu bedienen und die wichtigsten Einstellungen wie ISO, Belichtungszeit, und Blende sind über gut zugängliche und wenige Rädchen bzw. Knöpfe zu erreichen, aber auf Grund der kleinen und wenig erhabenen Knöpfe mit Handschuhen fast nicht zu bedienen. Die Lupentaste ist in maximaler Entfernung platziert worden, was in absoluter Dunkelheit recht unpraktisch ist.
Der ausschlaggebendste Punkt ist jedoch wohl wahrscheinlich die unglaubliche ISO Geschwindigkeit der Kamera bis ISO 406.900. Ich persönlich hatte den Eindruck das das Rauschverhalten trotz des nur mit 12.2 Megapixel bepackten Vollformatsensors in den unteren Isobereichen bis ISO 1600 meiner Canon 6D leicht unterlegen ist und erst ab einer ISO Geschwindigkeit von ISO 6400 klar punkten kann. Bei ISO 12800 liefert die Kamera immer noch sehr rauscharme und klare Ergebnisse, welche meiner Meinung nach bis Iso 25.600 durchaus verwendet werden können. Iso 51.200 stellt für mich bei dieser Kamera die absolute Obergrenze an Brauchbarkeit dar, und jenseits dieser Zahl können Aufnahmen meiner Meinung nach nur noch für die Dokumentation verwendet werden. So kann man mit dieser Kamera im Vergleich zur Konkurrenz durchaus noch Aufnahmen mit 2-3 Blenden mehr Licht generieren und mit einem geeigneten Entrauschungsprogramm ein recht annehmbares Ergebnis erzielen.
Interessant ist es jedoch die Tatsache, daß einige vergleichende Tester von einem „ISOless” Verhalten des Sensors zwischen ISO 3200 und ISO 51200 berichten. Das bedeutet, daß sie im Test herausgefunden haben wollen, daß das Rauschen zwischen diesem Bereich nicht wie zu erwarten zunimmt sondern nur die Helligkeit. Als Schlussfolgerung wird dabei davon ausgegangen, daß die Kamera zwischen diesen Bereichen, die Bilder immer mit der gleichen Sensitivität aufnimmt, und nur intern dem Bild trotz des RAW Algorithmus, die zur ISO Stufe passende Helligkeit, zuteilt. Jenseits von 51.200 wird das Bild wieder mit einer größeren Sensitivität aufgenommen. Dazu werden die Testlabors in Zukunft sicher mehr zu berichten wissen.
Für mich zeigte sich jedenfalls zwischen diesen ISO Stufen deutlich immer mehr Details, besonders in den Schattenbereichen. Die 2-3 Blenden mehr Licht eröffnen dem Astrofotografen auch ganz ungewohnte Bereiche: Durch 2-3 Blenden mehr Licht kann man durchaus auch einmal etwas abblenden um die Tiefenschärfe zu erhöhen und die Performance seines Objektivs zu steigern (Offenblendig ist die Performance leider selten die Beste).
Der Einsatz der SONY A7S auf einem Startracker ist für mich persönlich jedoch wohl der interessanteste Bereich. Hier kann man nun mit minimalen Gewicht sowohl im Weitfeldastrobereich, als auch mit einem durchaus recht lichtstarken Teleobjektiv im DEEP SKY Bereich Aufnahmen generieren, die bis dato so wohl nicht möglich waren. Durch das spätere Stacken der „extremen ISO Bereichs“ – Aufnahmen wird das Rauschen vermindert, wobei die bereits sehr große Detailwiedergabe (durch die sehr hohe Sensitivität) durch das Stacken noch gesteigert wird.
Leider hatte ich nicht die Zeit die Kamera mit einem Star Tracker oder die Zeitrafferfunktionen zu testen, doch ich habe bereits die Zusage von Sony, sobald als möglich erneut ein Testmodell zur Verfügung gestellt zu bekommen, um diese Funktionen testen zu können.

Alles in allem ist die Sony eine sehr gute starscape Vollformatkamera, die jedoch meiner Ansicht nach mehr als Zweitbody geeignet sein wird, für den Astrofotografen der bereits seine gesamte Ausrüstung von einem Konkurrenzhersteller besitzt. Ein kompletter Umstieg lohnt in diesem Fall meiner Meinung schon auf Grund er geringen 12,2 MP nicht. Ebenso ist der recht hohe Einstiegspreis von 2400 EUR im Vergleich z.B. zu der deutlich billigeren, aber jedoch gerade im Astrobereich sehr interessanten Canon 6D durchaus ein Thema und wird von jedem neueinsteigenden Astrofotografen für sich zu bewerten sein. Mit Bildvorteilen kann die Sony im erwähnten Vergleich auch erst ab ISO 6400 aufwarten.

Die Videofunktionen bis 4K werden jedoch durchaus ein Thema für den ambitionierten Videographen sein, und zumindest in Full HD Auflösung sind nun erstmals in Echtzeit Videoaufnahmen der Milchstraße in bisher unbekannter Qualität denkbar.

 

 

 

DAS VIDEO VON UNSEREM AUSFLUG:

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