STEINBÖCKE IN DEN HOHEN TAUERN

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Steinböcke in freier Wildbahn zu beobachten ist immer wieder ein unglaubliches Erlebnis, doch meine letzte Begegnung übertraf für mich bisher alle anderen um Längen.

Auf der Großglockner Hochalpenstraße gelangt man sehr leicht in das Zentrum der Hohen Tauern. Kurz nach Öffnung der Straße, nach der Wintersperre im Mai, hat es in den höheren Lagen meist noch recht viel Schnee, so daß die dort frei lebenden Steinböcke sehr häufig tiefere Hanglagen bevorzugen, da hier bereits besonders in den Südhängen schneefreie Grasflächen angetroffen werden können.

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Der höchste Punkt der Großglockner Hochalpenstraße mit Ausblick auf den Großglockner  

 

Großglockner Pano

In dieser Umgebung ist eine Steinbocksichtung ein ganz besonderes Erlebnis

 

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Diese Spuren führten uns zwar nicht zu den Steinböcken ….

 

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…aber zu einem nicht minder interessanten und niedlichen Bewohner der Berge, dem Murmeltier.

 

Die Untersuchungen des Nationalpark Hohen Tauern in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Wiltierkunde und Ökologie in Wien, die 15 Tiere mit GPS bebänderten um Wanderverhalten und bevorzugte Aufenthaltsorte zu beobachten, haben dabei bereits zu sehr interessanten Ergebnissen geführt: Die Steinböcke wandern besonders stark im November und Dezember und suchen jedoch ganzjährig die klimatisch bevorzugten, sonnenexponierten Süd bis Südwesthänge auf.
So ist es besonders im Frühjahr und im Spätherbst möglich, Steinböcke unweit der Hochalpenstraße in diesen Hängen zu beobachten.

 

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Ein Rudel Steinböcke, ganz entspannt am späten Nachmittag vor dem Großglockner

 

Ich habe in der Gegend schon des öfteren Steinböcke beobachten können, nur was sich uns auf unserer letzten Fahrt in die hohen Tauern bot, hatten wir bis dato noch nicht erlebt. Ein gigantisches Rudel von bis ca. 30 adulten Böcken (von insgesamt ca. 1.100 Tieren (Stand 2014) in den Hohen Tauern) hielten sich in einem sonnendurchfluteten Südhang auf, vollkommen entspannt, unweit der Straße. Auf Grund des fehlenden Jagddrucks sind die Tiere wenig scheu und man kann die Tiere bereits mit kleineren Teleobjektiven bestens ablichten. Das traumhafte, hochalpine Szenario der hohen Tauern bietet dabei natürlich die perfekte Kulisse, diese Tiere wunderschön in Szene zu setzen. 

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Steinbock im Fellwechsel

Der kraftvolle Alpensteinbock der bis zu 100kg schwer werden kann und dessen Hörner eine maximalen Länge von bis zu 1m erreichen können, gehört zweifelsfrei zu den imposantesten Säugetieren der Zentralalpen (die Hörner der deutlich leichteren Geißen können nur bis 30 cm lang werden).
Der Steinbock aus dem Formenkreis der „Hochgebirgsziegen“, der in einer Höhe zwischen 2000m – 3500m vorkommt, ist perfekt an die rauen klimatischen Bedingungen der Hochgebirgsregion angepasst. Seine hervorragende Kletterfähigkeit, die die der Gämsen noch übertrifft, hat der Steinbock seinen tiefgespaltenen beweglichen Hufen mit gummiartigen Zehenballen und scharfen harten Schalenkanten zu verdanken.

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Imposanter männlicher Steinbock

Die Steinböcke sind ganzjährig in geschlechtsspezifischen Rudeln unterwegs (Böcke / Geißen mit ihren Jungen) und vermischen sich nur zur Brunftzeit in Dezember. So wird schnell klar, daß ein gemischte Haltung wie es in den (Alpen)zoos gehandhabt wird, leider gegen diese Eigenheit der Steinböcke ist.
Von Mai bis Juli setzen die Geißen meist nur ein einziges Kitz (ganz selten zwei).

 

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Außerhalb der Paarungszeit sind Steinböcke in geschlechtsspezifischen Rudeln unterwegs

Nicht vergessen sollte jedoch werden, daß die Steinböcke in den Hohen Tauern wegen der ihnen nachgesagten Heilkräfte diverser Körperteile, bereits im Mittelalter gejagt wurden und im 19. Jhdt. komplett ausgerottet waren. Europaweit überlebte nur eine kleine Population Steinböcke im Gran Paradiso Gebiet, die ein Adeliger unter seinen persönlichen Schutz gestellt hatte.

Erst Mitte des 20. Jhdt. gelang es Steinböcke aus dieser Population in der Heimat der hohen Tauern wieder dauerhaft anzusiedeln. Strenge Schutzmaßnahmen im Nationalpark haben heute zu einer Population von schätzungsweise 1.100 Tieren geführt.

(Stand 2014).

 

QUELLE:

Wissenschaftliche Schriften – Tierwelt – Natonalpark Hohe Tauern
Eberhard Stüber, Norbert Winding; 183 Seiten
2. Aufl. 1993

 

HIER KÖNNT IHR ALLE BILDER SEHEN:

 

 

 

2 thoughts on “STEINBÖCKE IN DEN HOHEN TAUERN”

  1. Tolle Bilder und sehr interessanter Artikel. Da bekomm ich schon wieder lust selber hinzufahren. 🙂 lg Niki

  2. Super Bilder, da bekomme ich richtig Lust auch mal wieder zum Großglockner zu fahren! Ist wirklich ein tolles Erlebnis Steinböcke zu beobachten und zu fotografieren!

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