BERGSILVESTER

Share

„Bergsilvester“ sind in Tirol absolut angesagt und jede größere Stadt veranstaltet ein professionelles Feuerwerk zum Jahreswechsel. Das Bergsilvester in Innsbruck ist da Paradebeispiel und zieht jedes Jahr tausende von Besuchern an, die dieses Spektakel selbst einmal miterleben möchten. Das Event wird musikalisch untermalt und die ganze Stadt ist auf den Beinen, um daran teilzuhaben. Bei klaren Wetterverhältnissen ist das Bergsilvester wirklich ein Augenschmaus, sieht man von den Menschenmassen ab. Ebenso wie von der Frage, die ich mir jedes Silvester auf das neue stelle: wie viel Sinnvolleres könnte man man dem Geld anstellen, das jedes Jahr hier im sprichwörtlichen Sinne des Wortes verpulvert wird (nicht nur in Innsbruck). Ganz abgesehen von den negativen Auswirkungen auf den Feinstaubgehalt der Luft bzw. Stress auf wild lebende Tiere und Haustiere, die jedes Jahr wohl auf das neue glauben müssen, daß ihr letztes Stündlein geschlagen haben muss und den Tonnen an Müll, der durch die Feuerwerkskörper entsteht und noch Wochen später überall gefunden werden kann.

Nachdem jedoch jeder für sich entscheiden muss ob man daran teilhaben will oder nicht, haben wir und dieses Jahr dazu entschlossen, das Spektakel aus einer etwas ungewöhnlicheren Perspektive aus zu betrachten – nämlich von oben. 

Nach einem gemütlichen „Vor – Silvester“ Abend haben wir unsere bereits gepackten Rucksäcke, Rodeln und Stirnlampen geschnappt und sind wieder einmal zu unserem Hausberg Faltegartenköpfl aufgebrochen. 

Der Aufstieg zur Feldringalm, über eine bestens präparierte Rodelpiste (nicht beleuchtet) war bereits nach einer guten halben Stunde „erledigt“. An der Hütte, in der das bevorstehende neue Jahr bereits fleißig gefeiert wurde, deponierten wir unsere Rodeln und schnallten uns die Schneeschuhe an. Wir genossen jeden einzelnen Schritt des Aufstieg durch die Nacht, bekannt von zahlreichen Ausflügen auf diesen herrlichen Berg, der zu jeder Jahres- und Tages- bzw. Nachtzeit besucht werden kann.  

Es ist einfach immer wieder ein unbeschreibliches Erlebnis in der Nacht auf einen Berg zu steigen. Nur die wenigen Meter um einen herum werden vom Schein der Stirnlampen erhellt, über uns nichts als Sterne, Sterne, und nochmals Sterne und das rhythmische Geräusch der sich knirschend in den Schnee „beissenden“ Schneeschuhe. Der Weg war auf Grund der hervorragenden Wetters der letzten Tage bestens gespurt und so gewannen wir schnell an Höhe. Hinter uns erschienen nun die ersten „Lichtpunkte“ auf dem Aufstiegsweg. Scheinbar waren wir nicht die einzigen mit dieser Idee. Kurz unterhalb des Gipfelgrats stießen wir auf eine Gruppe von Bergsteigern, die sich um ein loderndes Lagerfeuer scharten. Die drei in einer Senke aufgebauten Zelte um das Lagerfeuer zeugten von einer geplanten kalten Neujahrs- Biwaknacht.

Wenn man nach dem Aufstieg zum ersten mal den Gipfelgrat des Faltegartenköpfls betritt, ist es jedes Mal wieder ein „AHA-Erlebnis“. Der unbeschreiblich schöne, freie Blick auf den 1500m weiter unten liegenden Talgrund ist immer wieder faszinierend und in der Nacht hatte ich bisher diesen Ausblick noch nicht genießen dürfen.

Heißer Punsch und die letzten Weihnachtsplätzchen mussten dran glauben, kurz nachdem wir uns in die warme Daunenausrüstung gepackt hatten. Nach und nach trafen die „Lichtpunkte“ ein, die wir zuvor auf unserem Aufstieg hinter uns gesehen hatten. Snowboarder, Skitourengänger und Schneeschuhwanderer stapften über den letzten Grat zum Gipfelkreuz, fast so wie man es am helllichten Tag auf diesem Gipfel gewohnt wäre. 

Um Mitternacht ging es dann pünktlich los, obwohl in einigen Ortschaften die Uhren falsch zu laufen schienen, starteten diese viel zu früh ihr Feuerwerk.

 

Zeitraffermovie Silvester 2013/14 über dem Mieminger Plateu. 75 Min in 5 sek:

 

Faltegarten lights from Dr. Nicholas Roemmelt on Vimeo.

 

Von so weit oben garantierte unser Logenplatz beste Sicht auf das gesamte Miemiger Plateau und im Inntal auf Imst bis Telfs. Ein Meer aus Lichtern explodierte fast zeitgleich über den gesamten Inntal jedoch wirkten selbst die gewaltigen, professionellen Feuerwerke der großen Hotels von unserem Standpunkt aus winzig, fast wie ein Silvester aus Liliput. 45 Minuten lang erleuchteten die Feuerwerkskörper die Nacht und verstummte dann fast zeitgleich. Rauchschwaden aus Schwefel und Kohlestaub zogen nun noch eine Zeit lang über dem Talgrund, während meine Kamera immer noch automatisch für ein kleines Zeitraffermovie belichtete. Die Kälte kroch langsam unter unsere Daunenklamotten, der heisse Punsch war aufgebraucht und auch die hartgesottenen Bergsteiger waren bereits in ihren Biwaks verschwunden, als wir zusammenpackten und uns auf den Abstieg machten. Kurz unterhalb des Gipfelgrates hüllte uns die Nacht wieder in Dunkelheit. Ein Milchstraßenpanorama musste ich noch schnell auf einer kleinen Schneekuppe aufnehmen, funkelten die Sterne doch zu verlockend über uns, in einer Intensität wie man es im „lichtverschmutzten“ Tal kaum zu sehen vermag. Die Sterne und Galaxien über mir waren nun für mich mein ganz persönliches „Feuerwerk“ an diesem Silvesterabend.

 

Sylvester 2013-2014kleinMein persönliches “Sternen – Feuerwerk” zum Jahreswechsel 2013/14 

 

Trotzdem es für unsere Augen dunkel war, wird auf dem Foto schnell ersichtlich, wie viel Kunstlicht hier mit einspielt. Auf dem Bild sieht man Kunstlicht von Innsbruck bis Telfs, Kunstlicht von Kühtai und dem Ötztal und in der Ferne reflektiert sich das Kunstlicht von den Städten in Bayern in der Schichtbewölkung.

Unser „Bergsilvester“ wurde nach einem schnellen, halb gleitenden Abstieg mit den Schneeschuhen im Tiefschnee, als Sahnehäubchen noch mit einer einsamem Rodelabfahrt über die unbeleuchtete, stockfinstere Rodelbahn zum Parkplatz gekrönt. 

 

Leave a Reply