ÜBER DEN WOLKEN …

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Faltegartenköpfl Panorama kleinSonnenuntergangspanorama am Gipfel des Faltegartenköpfls

 

Hochnebel gibt es nur in München, im Voralpenland und in den Niederungen– sagt der Ex-Münchner in mir. Stimmt normaler Weise auch, meistens jedenfalls. Manchmal aber, bei Inversionswetterlage, hält ein sog. Kältedeckel die kondensierte Feuchtigkeit bis weit in den Alpenhauptkamm, auch in den alpinen Tälern gefangen. In den Tälern ist es dann besonders kalt und grau in grau, während es auf den Bergspitzen deutlich wärmer ist, bei strahlendem Sonnenschein. Als ich noch in München wohnte, war ich gewohnt an den regelmäßigen und tristen Anblick des Hochnebels im Herbst und Winter über mir. Jetzt jedoch, wenn in meiner Wahlheimat Tirol die seltene Inversionswetterlage herrscht, habe ich den Hochnebel nicht über mir, sondern ich befinde mich direkt im Hochnebel, auf Grund der „hohen“ Lage meines Wohnortes. Fahre ich hinunter in das Inntal ist der Hochnebel wieder über mir. Besser ist es jedoch den Nebel genau dorthin zu „verfrachten“, wohin er für Naturfotografen eben hin gehört – nämlich unterhalb von uns. Wie man das anstellt? Genau, einfach auf einen Berg marschieren, der hoch genug ist.

Nachdem es für mich als Wahltiroler, trotz der Sicht von unter 50 Meter am Wochenende direkt im „Hochnebel“, kein Problem darstellte einen Berg zu finden der hoch genug ist, war dies schnell erledigt. Das Faltegartenköpfl, einer unserer Hausberge, welcher das ganze Jahr über ein lohnendes Ziel darstellt, sollte es werden. Bereits bei der Zufahrt zum Wanderparkplatz am „Sattele“ konnte ich den Hochnebel hinter mir lassen. Bei knapp über 1100m war der Spuk zu Ende und das gleißende Licht der Sonne empfing mich. Während das Außenthermometer am Auto im Tal -2 Grad anzeigte, herrschten am Parkplatz angenehme 6 Grad im Plus. Hier auf ca.1697 m lag die dichte Hochnebeldecke bereits knapp 700 m unter mir und bot einen Augenschmaus vom Feinsten.

 

SchlittenhundeMeine beiden “Schlittenhunde” genießen ebenfalls die Aussicht

 

Der Weg zur urigen Feldringalm war schnell „erledigt“. Besonders mit einem „illegalen“ 2HS (Hundestärken) Hilfsmotor, bestehend aus zwei wildgewordenen Zerr-Maschinen. Ein Musher hätte seine wahre Freude an meinen beiden. Nach der Feldringalm (der Zustieg ist übrigens im Winter eine bestens präparierte Rodelpiste) geht der Anstieg dann kurz steil nach oben, um wenig später in eine sanfte Hügellandschaft, auf einer freien Hochebene mit gewaltiger Aussicht, zu münden. Im Hochwinter ist die Tour auf das Faltegartenköpfl eine sehr beliebte Ski- und Schneeschuhtour, auf Grund der geringen Lawinengefährdung. Schneeschuhe wären im Übrigen auch wirklich schon angebracht gewesen. Gott sei Dank hatten einige Schneeschuhgeher bereits eine halbwegs verwertbare Spur angelegt. Zwar erfolgte der Aufstieg im weichen Schnee dann immer noch nach dem Prinzip: zwei Schritte vor und einen zurück, aber ich hatte ja meinen „Hilfsmotor“ dabei. Der Aufstieg an sich war Genuss pur … eine traumhafte Aussicht auf das im Tal wogende Nebelmeer und die bereits tief verschneite alpine Winterwunderlandschaft. Der letzte kurze felsige Gipfelaufschwung zum Faltegartenköpfl (2184m) war schnell überwunden. Von hier oben wurde jedoch erst das ganze Ausmaß des Nebelmeeres, jetzt rund 1000 Höhenmeter unter mir, offensichtlich. Weitere 500 m weiter darunter lag erst der Talgrund. Eine weitere Gruppe Fotografen, die ebenfalls recht spät, nur für den Sonnenuntergang aufgestiegen waren, kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: „Ich wohne hier schon mein ganzes Leben, aber solch eine Aussicht habe ich hier oben noch nie erlebt …“ rief der Älteste der Gruppe und lies den Auslöser seiner Kamera klicken.

 

Zeitraffersequenz: Ein Meer aus Watte

Faltengartenkoepfl Hochnebel ProRes-444 1080p UHQ from Dr. Nicholas Roemmelt on Vimeo.

 

Und wirklich, das Meer aus kondensierter Feuchtigkeit unter uns erstreckte sich so weit das Auge reichte, über dem gesamten Inntal, und sah aus wie ein Ozean aus wogender Watte. Die schon sehr tief stehende Sonne tauchte die „Watte“ in ein magisches Licht.

Kurz nachdem die Sonne untergegangen war, wurde der Himmel auch noch rosarot und verwandelte den Schnee in einen pinken Zuckerguss. So eine Lichtstimmung wünscht sich jeder Fotograf …

Pink SkiesPink Skies: Winterlicher “Zuckerguss” in der Nähe des Gipfels

 

Als zu guter Letzt auch noch der Vollmond hinter den pink erleuchteten Schneeriesen auftauchte, war es fast schon kitschig schön.

QuicktimePano für größere Ansicht bitte HIER klicken

 

Nach ein paar weiteren Fotostopps während des Abstiegs, erreichte ich mit meinen beiden „Schlittenhunden“ den Wanderparkplatz, bei bereits vollkommener Dunkelheit. Während des Abstiegs begegnete ich zwei weiteren Wanderern, die mit Schneeschuhen noch eine Vollmondtour unternahmen. Eine wunderbare Idee, die ich mir bereits für diesen Winter, wenn das Wetter mitspielt, fest vorgenommen habe.

Sunset über den WolkenDer Blick über den Hochnebel im letzten Licht des Tages 

 

 GALERIE:

 

 

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