WATZMANN NIGHTS

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Einsame Bergwelten …  das stimmt am Jenner am Königsee nur bedingt. Ein goldenes Oktoberwochenende  hatte alle Sonnenhungrigen noch einmal hinausgelockt in das Berchtesgadener Land, zum Königsee und eben zu dem Aussichtsgipfel Jenner. Tagsüber kommt man sich am Wochenende dort wie eine Arbeiterameise mitten in einem Ameisenhaufen vor. Kitsch- und Königsee – Collectibles an jeder Ecke, vom See schallt das Trompeten – bzw.  Flügelhornecho der Bootsführer, die einige der „Ameisen“ nach St. Bartholomä bringen. Im Oktober ist es hier aber auch kitschig schön:  „Brennende“ Buchen in feuerrot und orange lodern beidseits an den Ufern des Königsees, die das fjordgleiche, tiefblaue Auge des Sees als „Ring of fire“ rahmen. Es ist hier fast so kitschig (schön), wie mein eben vorangegangener Satz im Blog.

_F4Q0094x3-2Aussicht von der Plattform am Jenner

 

Angeregt durch den tollen Bericht von Michael Thaler über die „kleine Berchtesgadener Reibe“, wollte ich vom Jenner aus die Watzmann Ostwand mit dem zu Füßen liegendem Königsee, in der Nacht fotografieren. Schon länger war ich auf der Suche nach einem geeigneten Astro-Aussichtspunkt in den Bergen für Oktober. Der Watzmann und der Königsee liegen westlich des Aussichtsgipfels Jenner und damit ideal für die Milchstraße, die im Oktober nach der astronomischen Dämmerung eben dort zu finden ist.

„Da soll ich hinein?“ platzte es aus mir heraus, als ich die Gondeln der Jennerbahn erblickte. Ich wusste noch vom letzten Mal, daß die Gondeln recht klein waren, aber die Dinger sahen aus wie ein verkleideter Einsersessellift. Vielleicht lag es daran, daß ich das letzte Mal vor über 20 Jahren hier war … oder vielleicht waren die Gondeln einfach nur an der Durchschnittsgröße des zu erwartenden asiatischen Touristen genormt. Alle asiatischen Mitbürger mögen mir jetzt diesen politisch nicht ganz korrekten Satz bitte nicht übel nehmen, aber ich mit meinen knapp 1.90m, 2 Hunden und einem zum Bersten vollen Rucksack von der Größe einer kleinen zweiten Person (70 l) mussten irgendwie in die angebliche 2er Gondel.

Prompt blieb mein Rucksack natürlich im winzigen Eingang der Gondel hängen… die Hunde saßen bereits freudig wedelnd beide auf der schmalen Bank in der „Fischertechnik- Spielzeug“ -Gondel  und sahen mich erwartungsvoll, wenn auch ein wenig mitleidig an. Das wäre eine Wette für „Wetten Dass“, kam es mir in den Sinn und von hinten stopfte der Bergbahn Angestellte mich und meinen Rucksack in die Gondel. Ich konnte mich die ganze Fahrt über keinen Millimeter rühren, sonst hätte ich sicher einen der Hunde zerquetscht. OK, ich hätte die weit über 1000 Höhenmeter ja auch zu Fuß gehen können oder einfach nur das Monster von einem Rucksack vom Rücken nehmen sollen. Hinterher ist man immer klüger … 35 Minuten lang überlegte ich mir jedoch einen Plan B wie ich hier wieder aus dieser Presspassung herauskommen wollte.  Oben ging es dann besser als gedacht, die Hunde sprangen sichtlich erleichtert, aus der „Hundefutterdose“ zu kommen und mit einem Ruck an der Leine stand ich im Freien …. mit meinem „kleinen Asiaten“ auf dem Rücken.

Von der Jennerbahn ist es nur einen Katzensprung bis zum Gipfel des Jenners. Auf der Aussichtsplattform und am Gipfel wimmelte es bereits nur so von Menschen. Ich versuchte mich mit beiden Hunden und dem Rucksack irgendwie nach vorne an den Rand der Plattform zu kämpfen um ein paar Probeaufnahmen für die Nacht zu machen. Die Aussicht in die berühmte Watzmann Ostwand und Königsee ist wirklich atemberaubend. Das „Gewusel“ mancher Halbschuh Touristen, von denen der eine oder andere  bereits auf den ersten paar Metern zum Gipfel mehrfach rasten musste, ließ mich schnell wieder den Gipfel verlassen. Kein Wunder, daß die Aussichtsplattform rundherum mit einem stabilen Holzzaun eingezäunt wurde. Auch die dort oben angebrachte Spendenbox für die Bergwacht ließ mich schmunzeln. Es gibt in den bayerischen Alpen wohl kein Fleckchen auf einem Berg,  an dem diese Spendenbox besser hätte positioniert werden können. Hier können die“ hochalpinen“ Sandalenträger quasi schon einmal eine „Anzahlung“ bei der Bergwacht tätigen …

Heutiges Zwischenziel war die fast ganzjährig geöffnete, nahe gelegene OEAV Hütte, das Carl von Stahlhaus.

Auf der Hütte angekommen, die quasi direkt hinter der Staatsgrenze liegt, richtete ich mir unser gemütliches „Basecamp“ ein. Die hundefreundliche Hütte hat ein extra Hundezimmer, was mir mit meinen beiden Rackern recht gelegen kam.

Ein zweiter mitgebrachter 35 l Rucksack war schnell für das Tagesziel Schneibstein umgepackt. Der Aufstieg auf den Schneibstein lief  problemlos,  jedoch führt er den Gipfelspiranten auf einen Aussichtspunkt der seinesgleichen suchen muss. Der Weiterweg über die Windscharte sah vielversprechend aus, und hier kann man wohl auch regelmäßig wilde Steinböcke beobachten, doch mein endgültiges Tages- bzw. Nachtziel war der Jenner und die Milchstraße. Nach einem schnellem Abstieg und einer Riesenportion Kaiserschmarrn packte ich den Rucksack für die bevorstehende Nacht: Hundefutter, Softschells für die Wuffls, Hundedecke … jetzt wusste ich auch wieso mein „kleiner Asiate“ heute so schwer war.

Anschließend machten wir uns auf den Rückweg zum Jenner. Die Gipfelstation, als auch der Gipfel selbst waren um 18.00 Uhr kaum wieder zu erkennen. Ohne eine Menschenseele durfte ich den Sonnenuntergang in all seiner Farbenpracht, ganz alleine nur für mich genießen.

Sankt Bartholomä lag auch ganz verlassen in der Tiefe, befreit von allen Tagesgästen. Den Hunden hatte ich ein bequemes Plätzchen eingerichtet und beide waren höchst beschäftigt auf „hochalpine Mäusesuche“ … ich konnte mich also ganz der Fotografie widmen und der Schönheit dieses jetzt einsamen Platzes frönen.

 

Watzman nights 01Panorama vom Schneibstein bis zum Watzmann

 

Der Sonnenuntergang war überwältigend und in den schönsten Farben zu bewundern, da doch sehr viele Schleierwolken am Himmel standen.
Die Zeit nach Sonnenuntergang bis zum Ende der astronomischen Dämmerung (Sonne steht 18 Grad unter dem Horizont, jetzt ist es erst dunkel im astronomischen Sinne und die Sterne sind zu sehen) ist dann oft sehr lang und fotografisch meist unergiebig. Nach der bürgerlichen Dämmerung verschwinden alle Farben. Das ist genau die richtige Zeit für ein gemütliches Abendessen. Kocher ausgepackt und los geht´s.  Die Hunde, angelockt vom Duft des Kochers ließen wenigstens einen Augenblick ab von ihrer Mäusesuche. Der halbe Jenner glich schon einem Schweizer Käse, so hatten sie gebuddelt.

Nach Spaghetti Bolognese und „Putentöpferl“ für die Hunde, machten sich meine beiden Racker wieder an den Umbau des Jennergipfels und ich konnte langsam alles für den geplanten Zeitraffer aufbauen.

So schön Schleierwolken einem Sonnenuntergang das Sahnehäubchen aufsetzten können, so ärgerlich sind diese, wenn man Sterne und die Milchstraße in der Nacht fotografieren möchte. Wenn dann noch eine Stadt in der Nähe ist, reflektiert sich das Kunstlicht in den Wolken. Dies führt zu einer schlechteren Sichtbarkeit der Sterne und zur Verzweiflung des Fotografen, der hinterher den Weißabgleich der Nacht mit dem Kunstlicht kombinieren muss.

Während der rhythmischen Klickens der Kamera, die alle 34 Sek für 30 Sekunden belichtete, konnte ich mit meinen beiden Rabauken, die vom Buddeln nun ganz erdige Nasen hatten und nun mehr einem Erdferkel als einem Hund glichen, die letzten 30 Höhenmeter von der Aussichtsplattform zum Gipfel aufsteigen. (Mäuse hatte sie natürlich wie immer keine gefangen)

 

_F4Q0343Am Gipfel des Jenners

 

Die nächtliche Aussicht von hier oben auf die umliegenden Berge, den Königsee und die im Tal funkelnde Lichter von Schönau und Berchtesgaden waren einfach unbeschreiblich und geben mir immer wieder einen Grund, wieso ich öfters einmal mit einem „kleinen Asiaten“ bewaffnet in die Berge gehe.

Der Wind frischte nun merklich auf, welcher mich in die Daunenjacke brachte und die nun bibbernden Hunde in ihre Softshells.

 

Milky Way over Mount WatzmannWatzmann Nights

 

Nach Beendigung der Zeitraffersequenz und ein paar Einzelbildern machten wir uns an den Abstieg zum Stahlhaus durch die nun stockfinstere Nacht. Gott sei Dank ist der Weg dorthin breit und ohne Probleme zu bewältigen.

 

Watzmann Nights from Dr. Nicholas Roemmelt on Vimeo.

Hundemüde warfen wir uns um 23.30 Uhr ins „Hundezimmer“ und ich versank sofort im Schlaf.

Um halb 6 weckte mich Hundegebell welches jedoch nicht von meinen beiden Wuffels stammte, sondern aus dem Smartphone kam und mich wecken sollte.

Alles zusammengepackt ging es erneut Richtung Jenner, nun aber wieder mit dem kleinen Asiaten bewaffnet, deutlich langsamer. Der Sonnenaufgang auf der Plattform am Jenner wurde mit einem kleinen Frühstück zelebriert und mit Eintreffen der ersten Bergbahngäste machten wir uns an den kurzen Abstieg zur Gipfelstation und Talfahrt mit der Minigondel. Schlangenmensch gleich mit perfekter Ausnutzung jedes Quadratzentimeters überstanden wir die Talfahrt, diesmal ohne Probleme. Nein, der Rucksack wurde einfach kurzer Hand in die nachfolgende Gondel gepackt und ich hatte mit meinen beiden Hunden nun bequem Platz.

Nach kurzer Rast am Malerwinkel am Königsee und Einkehr im gleichnamigen Kaffee entschloss ich mich noch zu einem kurzen Abstecher zum Gollinger Wasserfall, der von Berchtesgaden mit dem Auto  nur eine gute halbe Stunde entfernt ist.  

_F4Q1025_6_7_8 PanoramaPanorama Gollinger Wasserfall

 

GALLERY :

 

 

3 thoughts on “WATZMANN NIGHTS”

  1. Also ich hab es ja schon auf FB gesagt aber hier noch einmal:
    Die Bilder sind der OBERHAMMER!
    Dein Blog wird ab jetzt öfter von mir besucht.
    Soviel steht fest.
    Und nicht nur weil du auch Hunde zu haben scheinst. 🙂

    Liebe Grüße,
    Stefanie

  2. Liebe Stefanie!

    Es freut mich sehr, wenn Dir meine Bilder so gefallen! Vielen Dank für Dein Lob! Da weiß man wieder wieso man sich eigentlich die ganze Arbeit macht! 🙂

  3. Den Artikel hab ich ganz übersehen… Super Bilder Nick! Als gebürtiger Berchtesgadener bin ich wirklich gerne in der Gegend. War schon oft auf dem Jenner, aber leider noch nie zum Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang. Das muß ich dieses Jahr unbedingt mal nachholen! Deine Nachtaufnahmen sind immer wieder faszinierend!

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